Thomaswändle / Hochwiesler

Beliebt, bekannt und berannt – so lassen sich die Plaisirrouten in den Tannheimer Bergen am prägnantesten beschreiben. Einen kleinen Anschub dazu liefert sicher auch die Ausgabe 05/2017 der Zeitschrift “klettern”, die sich das Gebiet nochmals auf die Agenda geschrieben hat.
Aber es geht auch ruhiger, zum Beispiel rund um den Hochwiesler

Hintergrund meiner Tour war quasi eine Geschäftsreise – ich begleitete einen Mehrseillängen-Kletterkurs der Ortovox Safety Academy als Fotograf für einen Blogartikel eines Bergsport-Versandhändlers.

Tannheimer Berge am Wochenende – ist das nicht verrückt?
Nun ja, in der Tat, alleine ist man zumindest auf dem Weg zum Gimpelhaus nicht.
Ich kam mir schon reichlich “lahm” vor im Aufstieg; waren doch 1,5 Stunden veranschlagt, brauchte letztendlich in gemütlichem Wandertempo 1:10h und hatte doch permanent sozusagen alle Füsse voll zu tun, die anderen Berggänger überholen zu lassen. Warum rennt ihr denn alle so?!? Es gibt da doch eh keine Seilbahn zum verpassen… 😀

Während sich die Massen jedenfalls aufs Gimpelhaus und auf den Weiterweg in Richtung Gimpel bzw. Rote Flüh verteilten, lag unser Ziel zum Einklettern ein Stück abseits der “Autobahn”:

Gimpelkar, Judenscharte und Thomaswändle Thomaswändle

Das Thomaswändle – der Name kommt von seinem Erschliesser Thomas Osterried – ist ein kleiner aber feiner Klettergarten am nordöstlichsten Ausläufer des Hochwieslers, mit derzeit 17 Kletterrouten in den Schwierigkeitsgraden III bis VIII-

Koordinaten N47 29.889 E10 36.854
Hütte Gimpelhaus oder Tannheimer Hütte (derzeit geschlossen)
Parkplatz N47 29.287 E10 35.993 oder N47 29.170 E10 36.634
Zugang Dem Wanderweg 415 in Richtung Gimpelhaus folgen, dahinter auf dem oberen Steig 417 in Richtung Judenscharte und Rote Flüh (ca. 45 Minuten).

Nein, die Fotos sind nicht “alt”…
Tatsächlich lag hier, Anfang Juni, noch Schnee! Der hält sich, wie gesagt auf der Nordseite, schon recht hartnäckig, was aber andererseits bei dem wechselhaften Wetter diesen Jahres auch nicht wirklich verwundert.

Tatsächlich ist das Schneefeld “nicht ganz ohne”; der kurzgehaltene Hinweis im Kletterführer verharmlost die Gefahr: Wie man auf dem Übersichtsfoto oben links sieht, befindet sich direkt unterhalb noch eine kleine Felswand. Ein Abrutschen und Absturz an dieser Stelle wäre also mitunter fatal. Optimalerweise installiert man also im rechten Teil des Klettergartens ein mitzubringendes Fixseil zur Selbstsicherung. Und nein, das hat nichts mit “Weichei” zu tun!

Ebenso ist die Steinschlaggefahr wirklich allgegenwärtig. Das Gamskar (offiziell: Gimpelkar) trägt seinen Namen nicht zu Unrecht – ständig ist damit zu rechnen, dass die vielen Gemsen doch den einen oder anderen Stein lostreten.

Genug der mahnenden Worte.
Hier kann man sich also warmklettern oder einfach einen kleinen Zwischenstop einlegen, falls – wie eigentlich immer am Wochenende zu erwarten – man an dem einen oder andere Routeneinstieg beinahe eine Wartenummer ziehen muss.
Immerhin hat man von hier aus schonmal einen vorzüglichen Blick auf die Kletterrouten des Gimpel und der Zwerchwand, und damit insbesondere auf die bekannte “Till Ann” – da kann man dann schonmal sehen, ob der Einstieg Sinn macht:

Zwerchwand, "Till Ann", 5- (4+ obl.), 8 SL

Wenn’s dann zeitlich oder wettertechnisch knapp wird, bietet sich ein Abstecher zum Hochwiesler an. Das Thomaswändle liegt wie gesagt an dessen nordöstlichen Ende, also muss man lediglich ein Stück absteigen und den Ostsporn auf dem gut sichtbaren Pfad umwandern.

Hochwiesler Ostsporn - Bild: Dominik Urban

Dort findet man zunächst drei Routen vor:

Routen Hüttengrat | ‘s Bienchen | Hirschbrunft
Schwierigkeiten IV+ | VI+ | VI+/VII-
Seillängen 5 | 4 | 4
Material 50m Doppelseil, 6-8 Exen, Klemmkeile, Schlingen
Einstieg 1775 m ü.M. N47 29.794 E10 36.925

Auch hier gilt: Absolute Helmpflicht!
Alle drei Routen, insbesondere der leichte “Hüttengrat”, sind zum einen teilweise schon an sich recht schrofig, zum anderen hat die natürliche Frostsprengung hier ganze Arbeit geleistet.
Nur die ultrakompakten Platten liessen sich vom Winter nicht beeindrucken.
Gipfelvergnügen mit schönem Ausblick zum Gimpelhaus und ins Tannheimer Tal garantiert!

Blick ins Tal vom 3. Standplatz des “Bienchen” (VI+ / 4 SL)

Abseilen empfiehlt sich hier übrigens nur in den rechten beiden Routen; für den Abstieg aus dem “Hüttengrat” wählt man sinnvollerweise entweder die benachbarte Abseilpiste oder den Normalweg, der schliesslich am Thomaswändle vorbeiführt.

Der Hochwiesler selbst bietet noch eine ganze Reihe weiterer Routen, z.B. die “Via Anita” (UIAA V / 7 SL) als leichteste Route – und auch für alpine Hardmover ist im linken Bereich der Südwand bis zum zehnten Grad einiges im Angebot.

Den Rest des Wochenendes, Samstagabend bis Sonntag, mussten wir übrigens wetterbedingt auf dem Gimpelhaus verbringen.
Langeweile kam aber auch hier nicht auf, zumal die Hütte buchstäblich aufgestockt hat und im dritten Stock nunmehr seit Mai 2017 auch über einen kleinen Boulderraum mit Übungsmöglichkeiten zum Standplatzbau verfügt.

Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Viola von Ortovox und Rudi von der Alpinschule Augsburg für das interessante und kurzweilige Wochenendprogramm!

Update: Ende Juni 2017 wurde knapp unterhalb des Gimpelhauses der Klettergarten “Etscher Wand” (KoordinatenN47 29.560 E10 36.835) mit derzeit 8 Routen in den Schwierigkeitsgraden 5a bis 6a eröffnet.
Topos und Beschriebe gibt’s zum Download bei allgaeu-plaisir.de oder Climbers Paradise.

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