Schofbergwand

Chumm, mir gönd no öppis mache, mir gönd go chlettere!

Eine geht (mindestens) noch, dieses Jahr…

Auf dem Weg zu den Churfirsten auf Toggenburger Seite sticht einem direkt oberhalb von Wildhaus diese imposante Wand ins Auge, die den “eigentlichen” Schofberg buchstäblich in den Hintergrund rückt:

Schofbergwand Schofbergwand

Auch wenn diese rund 350m hohe Wand in den einschlägigen Kletterführern eher im hinteren Teil beschrieben ist, handelt es sich hier um ein nicht ganz unbedeutendes Klettergebiet mit derzeit 95 Routen – ein quasi “alpiner Klettergarten”.

Also, erst einmal in Wildhaus auf dem ebenfalls unübersehbaren Platz in der Ortsmitte parkieren und dann hat man die Qual der Wahl: Die ersten 300 Höhenmeter entweder per pedes oder mit der Gamplüt-Bergbahn überwinden – die gerade mal 10 Stutz waren uns die “Faulheitsalternative” durchaus wert…

Der Zustieg zur Schofbergwand ist etwas verzwickt, da er in sämtlichen Kletterführern nur recht vage beschrieben ist. Auch Manu und ich hatten erst einige unnötige Kilo- und Höhenmeter (somit relativierte sich die Seilbahnfahrt 😀 ) abgespult, bis wir den optimalen Weg fanden:
Von der Bergstation wandert man gemütlich den Fahrweg ostwärts in Richtung Alp Fros, von dem man in der zweiten Haarnadelkurve (beim Viehrost) auf einen Trampelpfad über eine Wiese links in den Wald einbiegt. Diesem Pfad folgt man einfach bergauf und gelangt zu einer Schotterrinne, die man sich noch ein paar Höhenmeter hocharbeitet, bis man schliesslich hinter dem Vorbauturm am Einstieg steht:

Route Schofbergkante
Schwierigkeit 5b (4b/A0)
Seillängen 12 3b / 4b / 3a / 1 / 4b / 2c /
2c / 5b / 3c / 4b / 2a / 3c
Material 60m Doppelseil, 6 Exen, Keile, Friends, Schlingen
Einstieg 1590m ü.M. N 47.21827 E 9.34848
744’652 / 231’464
Details
Gipfel 1908m ü.M. N 47.22081 E 9.35266
744’963 / 231’754
Schofbergwand

(Der eigentliche Einstieg mit dem ersten Muniring befindet sich ein paar Meter höher auf dem Vorbauturm. Diesen also erstmal ohne Sicherung unschwierig hochklettern).

Die ersten Seillängen führen durch ein interessantes kaminartiges Rinnensystem, das sehr witzig zu klettern ist, nach oben. Bis man den “Trick” raus hat, hat man das gesteigerte Bedürfnis, den Rucksack abwerfen zu wollen 😀

Dann die erste Verwirrung: Haken sind da, aber gleich vier an der Zahl?!
Zwei gut aussehende Normalhaken und zwei Bohrhaken, davon einer mit querliegendem Plättchen (wie wär’s mit einem Muniring gewesen?).
Was ist das? Ein Standplatz oder nur ein Hakensammelsurium?
Mal egal, viel falsch machen kann man nicht und abgeklettert ist man im Zweifelsfall auch schnell.
Plötzlich sticht einem eine Art “Trampelpfad” ins Auge. Achja, im KleFü stand etwas von wegen “alternativem Einstieg” (6a) – das wird der wohl sein. Nur fehlen beim Reinqueren die Bohrhakenplättchen. Aha. Hä?
Egal, weiter geht’s… man findet irgendwann eine Sanduhrschlinge vor, die Erinnerung weckt, das Topo genau anzuschauen – es gibt nämlich auch hier eine 6a-Variante. Nur wowiewarum?!?

Apropos Schwierigkeitsgrade: Je nach Führer schwanken die zwischen 4c und 5b für die gesamte Route. Interessante Bandbreite… nur wirklich 100%ig verlassen kann man sich auf keine der Topozeichnungen.

Die Verwirrung ist komplett.

Ich hatte dann irgendwann, nachdem ich spasseshalber auch mal schnurgerade die Rinne und grasige Kante hoch- und wieder runtergeklettert bin, echt keine Lust (!) mehr und auch schon etwas Zeitnot, habe einen Stand an einem Bohrhaken mit labberigem Plättchen gemacht, noch einen Keil zur Redundanz in den Riss geschmissen…
Schofbergkante
… meine Nachsteigerin hochgeholt und uns in die Einstiegsrinne abgeseilt.

Äxgüsi, aber was ischt des für en Seich?
Anno 1976 gab es genau zwei Routen auf die Schofbergwand. Im Jahr 1999 waren es schon 60, und die 2011er-Ausgabe des Alpstein-Kletterführers zählt inzwischen besagte 95 Routen auf. Inklusive den Varianten. Zu allem Elend wird noch empfohlen, im Sportklettersektor “Kein Wasser, kein Mond” aus den Routen auszusteigen und über die Schofbergkante abzuklettern (!).
Na, dann viel Spass damit an sonnigen Wochenenden…
Die “Sanierung” aus dem Jahr 1994 ist dann doch eher als “Bohrwut” zu bezeichnen, die dieser – eigentlich echt schönen Route – so den Alpincharakter genommen hat. Von den fachlich falsch gesetzten Bohrhaken (s.o.) mal ganz zu schweigen.

Wer’s trotzdem noch konsumieren möchte – hier noch ein paar Eindrücke, von Norden aus gesehen:

Schofbergkante
7.-9. Seillänge im Überblick

Die Schlüsselstelle selbst, mit bis zu 5b bzw. 4b/A0 bewertet, ist eine ca. 12 Meter hohe Wand:
Schofbergkante
Vor ihr befindet sich übrigens der erste Notausstieg, über den man durch Abseilen und nordwärts Aufsteigen in Richtung Schofberg-Normalweg gelangt.

Vom Gipfel gelangt man abseilend oder abkletternd auf die Südwestflanke des Schofbergs, von wo aus man den Wanderweg in Richtung Gamplüt hinunterschlendern kann.

Literatur:

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