Roggalspitze

Was ist nicht schon geschrieben worden über die Roggalkante? »Traumtour, Genussklassiker, Idealkante, eine der schönsten Kanten der gesamten Alpen, die schönste Kante der Alpen«.

Das mussten Manu und ich uns doch mal live und in Farbe anschauen – wenn jetzt, im Oktober, die Schönwettertage ohnehin gezählt sein werden.

Also ab nach Vorarlberg, Österreich, zur Roggalspitze:
Roggalspitze

Der Reihe nach:
Erstmal hiess es, in aller Herrgottsfrühe aufzustehen. Wenn man nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren möchte, muss man sich nämlich spätestens um 08:00 Uhr an der Mautstrasse (15,00 ΕΥΡΩ Maut) zum Spullersee einfinden – wir hatten es um 07:56 Uhr gerade noch geschafft 😀
Zwischen 08:00 und 16:30 Uhr ist nämlich jeglicher motorisierter Verkehr – ausgenommen Linienbusse – in Richtung Spuller- und Formarinsee verboten.

Vom Parkplatz direkt am Spullersee ging es dann also in einer ¾ Stunde zur Ravensburger Hütte, dort eine kurze Verschnauf- und Aufwärmpause einlegen. Ja richtig, zum Aufwärmen! Bei sage und staune -3,5 °C zuzüglich bissigem Wind war der Zwischenstop durchaus erforderlich, um auch das Zwiebelprinzip der Klamotten nochmals zu überarbeiten.

Anschliessend ging es gemütlich den Wanderweg in Richtung Alpsee und entlang des Baches (Abfluss des Zürser Sees) entlang, wo sich der Weg dann in einen, nicht mehr auf der AV-Karte eingezeichneten, Trampelpfad und kurz darauf in eine mit Stoamanderln markierte Trittspur über vereistes Geröll zum Einstieg der Roggalkante verwandelt.

Roggalspitze
Roggalspitze

Auch wenn’s vielleicht nicht so rüberkommt auf den Bildern:
Neuschneefelder (bah, schon wieder Schnee!) und Temperaturen um den Gefrierpunkt – wohlgemerkt: Nordseite – liessen erste Zweifel am Vorhaben aufkommen. Und 100%ig fit war ich auch nicht, dank meiner physischen und psychischen (Stichwort: Boreout) Beeinträchtigungen.

Wir sind aber eingestiegen:

Route Nordkante (“Roggalkante”)
Schwierigkeit UIAA IV+ (IV obl.)
Seillängen 9 IV- / III / III / III / IV+ / IV / III+ / IV- / I
Material 60m Doppelseil, 8 Exen, Keile, Schlingen
Einstieg 2382m ü.A. N 47.16811 E 10.11609 Details
Gipfel 2673m ü.A. Roggalspitze
Gratis-Topos bei bergsteigen.com oder klettern-allgaeu.de

… und haben die 1. SL galant free solo über die grossen Steinwürfel links des eigentlichen Einstiegs umgangen. Erschien uns weniger riskant, da das Tauwasser aus den Schneefällen der vorangegangenen Tage uns in der regulären Route eher ein “Mixedklettern” ohne Steigeisen und Eisgeräte beschert hätte.

Ja, der Winter hat definitiv schon Einzug gehalten in den Bergen!

Die 2. SL entlang eines schönen, fast senkrechten und selber abzusichernden Risses spülte dann wieder warmes Blut durch den Körper. Im Ernst, ich hatte – trotz meiner barfuss getragenen Miuras – sogar einigermassen warme Füsse, während die Finger von Sekunde zu Sekunde während des Legens der mobilen Sicherungen immer steifer wurden…

Im Ernst, also ohne zumindest ein kleines Sortiment Klemmkeile kommt hier keine Freude auf. Zwar wurde die Route vor rund zehn Jahren – wie es so schön heisst – “sanft saniert”, dabei wurden aber eben nur einige Rostgurken durch neues Metall ersetzt; es ist dennoch nach wie vor keine Sportkletterroute und 1 Bohrhaken pro Seillänge ist nicht unüblich hier.

Wenigstens war die Wegfindung recht unkompliziert, da das Gestein aufgrund der zahlreichen Begehungen tatsächlich schon merkliche, aber glücklicherweise noch nicht unangenehme, Speckspuren aufwies. Also immer dem Glanz hinterher…

Am zweiten Stand (zwei Bohrhaken plus separatem Muniring zum Abseilen) entschlossen wir uns aber dann, die Tour abzubrechen.
Temperaturen wie gesagt immer um den Gefrierpunkt, ein bissiger Wind, Gestein in gleicher Temperatur und teilweise gefrorene Tauwasserstellen hätten unser Energie- und Zeitbudget über Gebühr strapaziert.

Roggalspitze
Auch bei -3,5°C noch ein leichtes Lächeln möglich 😉

Kurz die Aussicht auf den Spullersee und die Umgebung geniessen:
Blick aus der Roggalkante
… und dann ging wenigstens das Abseilen (2x60m reichen zentimetergenau – Knoten am Seilende nicht vergessen!) incl. der “Abfahrt” auf der Schotterreise zurück zum Aufstiegs-Trampelpfad recht problemlos vonstatten.

Nun gut, immerhin wissen wir jetzt, welches schattige Eck wir im nächsten Hochsommer besuchen müssen… 🙂

Übrigens:
Rund um die Ravensburger Hütte gibt es noch einige Klettergärten, falls man nach dem Erklimmen der Roggalspitze noch immer nicht genug haben sollte:

Spullerplatten
Obere und untere Spullerplatten (62 Seillängen von UIAA IV- bis X)
Luggiwand
Luggiwand oberhalb der Ravensburger Hütte (16 Seillängen von UIAA V bis VIII)

Topos hierfür liegen auf der Hütte aus bzw. können von der Internetseite der Ravensburger Hütte heruntergeladen werden und sind auch im Panico-Sportkletterführer Vorarlberg zu finden.

Literatur:

Download

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