Klettersteig Pinut und Meilerstein

Waaas, du gehst auch Klettersteige? Bist du krank?“, musste ich mir letztens anhören. Meine Antwort war Ja und Ja – ab und an, aber eher selten, gehe ich auch mal einen Klettersteig, und bzgl. “krank” siehe unten…

Klares Statement meinerseits: Ich mag nicht diese Rekordversuch-Verdrahtung von Bergen à la “Welcher Ort hat den schwersten Klettersteig der Region” oder irgendwelche Touristenattraktionen wie Flying Foxes oder “Spinnennetze” in den Bergen.

Was ich aber ganz nett finde: Alte, seit Jahrzehnten begangene Aufstiege – und so dann eben auch den mittlerweile sage und schreibe 110 Jahre alten Historischen Klettersteig Pinut.

Mitten in der imponierenden Felswand des Flimsersteins …

… liegt eine Wiese, die seit alters her begehbar war und auch landwirtschaftlich genutzt wurde: Pinut.

Im Zuge der – damals schon! – Tourismus-Entwicklung und der abenteuerlustigen Gäste, die die Hotels von Flims bevölkerten, wurden Pinut und die darüber liegende Wiese Pardatsch touristisch erschlossen. Es war die Pioniertat des Flimser Bürgers Christian Meiler, dass mit Metall-Leitern der ehemals risikoreiche Aufstieg zu einem nervenkitzelnden Abenteuer ohne Risiko und die Wand des Flimsersteins vom Fuss bis zur Hochebene des Steins begehbar wurde. Der Klettersteig indes verschwand über die Jahre langsam aus dem touristischen Bewusstsein, wurde nur mehr selten benutzt und zerfiel – bis letztlich einige einheimische Enthusiasten die Initiative ergriffen, den Pinut-Klettersteig wieder herzurichten.

Und da hängen sie nun, über hundert Jahre später, die Leitern vom Pinut, die einem imposante Fern- und Tiefblicke bieten!
In Fidaz parkiert (zentrale Parkuhr, 1,- Fr. pro Stunde), ging es flotten Schrittes bei angenehmen 22°C durch den Wald bergauf, dem unverfehlbar weiss-blau-weiss markierten Bergpfad entlang, bis man – ziemlich genau 200 Höhenmeter später – die Felswand mit dem Einstieg rechterhand und den atemberaubenden Meilerstein linkerhand vor sich hat:

Mein besonderes Interesse galt natürlich dem Meilerstein, den ich unbedingt mal aus der Nähe anschauen musste – gilt doch die (leider einzige) Kletterroute

Route Meilerstein “Normalweg”
Schwierigkeit 7a oder 6a+/A1
Seillängen 4 5a / 7a / 6a / 6a+
Material Exen, Keile, Friends, Trittschlingen, Hammer (!)
Einstieg 1400m ü.M. N 46.84547 E 9.30608
742’427 / 189’953
Details

doch als Route auf den laut SAC-Kletterführer “schwierigsten Gipfel Graubündens” – weniger wegen des Schwierigkeitsgrades an sich, aber das teilweise brüchige Gestein und die “historische” Absicherung schieben die Kletterei auf der Ernsthaftigkeitsskala wirklich weit nach oben.

Nun gut, ich hielt mich dann doch eher rechts haltend und begann, die unzähligen Stahlstufen und ausgesetzte Felskanten – stets am Drahtseil gesichert – aufzusteigen, ohne natürlich die faszinierende Kletterroute nebenan aus den Augen zu lassen:

Der “Klettersteig” führt nicht ausschliesslich durch die Felswand, er wird von den beiden Plateaus Pinut und Pardatsch unterbrochen. Folglich führt der Weg zu den beiden anderen Teilen des Steiges über Wald und Wiesen, was der Tour durchaus eine nette Abwechslung einbringt – schliesslich will man ja nicht nur Stahltreppen und -seile vor Augen haben.

Der zweite Teil ist recht wenig spektakulär, dafür darf man auf den letzten Metern des dritten Teils – kurz vor dem Steigbuch – die bequeme Treppe verlassen und Hände und Füsse zur unschweren Kletterei benutzen.

Auch Geocacher haben etwas davon: Zwei Böxli, GC1VTPN und GC1VWKB, kann man unterwegs auch noch suchen.

Nach weiteren 150 Höhenmetern, weitgehend über Weideland, erreicht man schliesslich die Gebäude von Stavel Sut (2054 m ü. M.), wo man sich ausruhen, verpflegen und die Panoramen …

… geniessen kann und sich über den Weiterweg entscheidet.
Für mich ging es an dieser Stelle den weiss-rot-weiss markierten Wanderweg in Richtung Bargis bergab; genausogut könnte man diese Tour auch als Einstieg zu anderen Gipfelzielen, wie z.B. dem Crap da Flem (Flimserstein) mit dem Fil de Cassons nehmen.
Der SAC-Clubführer “Ringelspitz/Arosa/Rätikon” hält hier allerhand Tourenvorschläge parat.

Fazit: Kein Klettersteig im herkömmlichen Sinne, eher eine leiterunterstützte Bergtour (T4 auf der SAC-Skala) mit vielen interessanten Aussichtspunkten, aber doch aufgrund der insgesamt knapp 900 Höhenmetern nicht ganz zu unterschätzen. Helm ist unbedingt erforderlich; ein Klettersteigset auch laut SAC unerlässlich.

Einen weiteren kleinen Klettersteig, samt einiger Kletterrouten, gibt es übrigens direkt in Flims am Sut Rens.

Achja, und apropos “krank” und brüchigem Gestein – der Hintergrund für meine Klettersteigtour:

Als ich kürzlich ausnahmsweise auf der Schwäbischen Alb, genauer gesagt an der Ruine Reussenstein, klettern war, hatte ich im unteren Drittel der Route “Dequadrat” (6a+) ein kleines Malheur: Tritt brach aus (dabei steht extra im Kletterführer noch “Die fragilen Strukturen […] fordern Umsicht“), und auf dem Abflug hatte ich unerwünschten Felskontakt…
Ich war danach zwar noch ein paarmal leicht klettern und bouldern, aber momentan sind die Schmerzen noch etwas störend. Nur bedeutet ärztlich verordnete Schonung ja nicht zwangsläufig untätiges Herumsitzen… 😉

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One thought on “Klettersteig Pinut und Meilerstein”

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