Petrohrad

Auf den Spuren von Adam Ondra, Trendbouldergebiet oder wie auch immer – ein paar freie Tage mussten sinnvoll genutzt werden, also ging’s ein Stück nach Osteuropa, nach Petrohrad.

Petrohrad

Eine Alternative zu Fontainebleau, Magic Wood, Zillertal und Tessin:
In Petrohrad (deutsch Petersburg) befindet sich das grösste und wohl auch bekannteste Bouldergebiet der Tschechischen Republik – rund 3000 (dreitausend!) Boulderprobleme in den Schwierigkeitsgraden Fb 2 bis Fb 8c, vom hüfthohen Kinder-Block bis zum fast haushohen Highball, warten hier – dem Haus- und Hofgebiet von Adam Ondra – auf Abenteurer.

Ja, das Wort “Abenteurer” klingt im Zusammenhang mit Bouldern ein wenig doof, hat hier aber durchaus seine Berechtigung.
Erstmal muss man nämlich das 650-Einwohner-Dörfchen finden und ansteuern. Falls man sich das Geld für die Autobahnvignette – 310 Tschechische Kronen, also ungefähr 11,50€ für die 10-Tages-Vignette – sparen will, lotst einen das Navi erstmal unerbittlich durch die Pampa und es wird einem die Bedeutung der Redewendung “Das ist ein böhmisches Dorf für mich” wirklich hautnah klar.

Koordinaten N50 07.211 E13 27.047 (Zentrum Sektoren D und F)
Parkplatz N50 07.405 E13 26.351
Zugang Den Waldwegen (weiss-grün-weisse und weiss-rot-weisse Markierungen) folgen.

Irgendwann endlich angekommen, findet man gleich gegenüber des Parkplatzes schon den ersten Vorgeschmack, was einen hier erwarten wird:

Hřbitovní kameny
Sektor B – “Hřbitovní kameny”

Dann heisst es: Orientieren!
Verlaufen kann man sich nicht wirklich, irgendwann kommt man zwangsläufig auf einen der markierten Wanderwege oder zumindest einen breiteren Trampelpfad zurück.
Vielmehr liegt die Herausforderung darin, die gewünschten Blöcke tatsächlich zu finden. Hier sollte man sich am besten zuhause vorbereiten.
Der einschlägige Boulderführer “Petrohrad a okolí” (in tschechischer Sprache mit englischen Erläuterungen …


… enthält auf 500 Seiten für die markantesten Blöcke auch GPS-Koordinaten, die man sich mal abspeichern und auf einer Karte darstellen kann – so habe ich es letztendlich gemacht.
Daneben gibt es Online-Topos bei czechclimbing.com; dort in der Tabelle nach “Severní Čechy -> Jesenicko” navigieren.

Jetzt, noch im Winterhalbjahr, kommt man mangels Laub auf den Bäumen rein visuell noch relativ gut zurecht, was aber im Sommer deutlich anstrengender wird. Und ganz ärgerlich ist es dann, wenn man an seinem “Lieblingsblock” mehrmals vorbeiläuft, nur weil der sich hinter einem der zahlreichen Hügel versteckt.

Für die Orientierung sollte und wird man defintiv mindestens zwei Stunden in Kauf nehmen müssen – vor allem, wenn man alle Sektoren mal anschauen möchte. Dafür wird dann eine Wanderrunde mit gut 10 Kilometern Länge fällig:

Download

… die man übrigens mit ein paar Geocaches verbinden kann – die Runde “Petrohradské putování” (deutsch: Petersburger Wanderung), beginnend mit GC3HWGV, führt nämlich durch das fast das gesamte Bouldergebiet. So kommen auch Nicht-Boulderer auf ihre Kosten oder man kann seine Kinder hiermit noch zusätzlich bespassen.

Ein paar Impressionen aus den verschiedenen Sektoren – die Buchstaben beziehen sich, der Einfachkeit halber, auf die Bezeichnungen im Boulderführer:

Podzimní věž - Ráj
Sektor E Süd – “Podzimní věž

Podzimní věž
Sektor E Süd – “Podzimní věž

Rybníček
Sektor H – “Rybníček”

Podzimní věž
Sektor E Nord – “Podzimní věž”

Josemit
Sektor D – “Josemit”

Josemit
Sektor D – “Josemit”

Josemit
Sektor D – “Josemit”

Truhla, Mrtvice & Nosorožec
Sektor D – “Josemit”, Blöcke Truhla, Mrtvice und Nosorožec

Am meisten frequentiert ist offensichtlich gerade letztgenannter Sektor “Josemit”, weil auch relativ parkplatznah gelegen.

Grundsätzlich sind übrigens die allermeisten Boulderprobleme mit ein- oder mehrfarbigen Pfeilmarkierungen gekennzeichnet.

Kleiner Wermutstropfen: Trotz der Bekanntheit und des Ondra-Hype (oder ist der schon abgeflacht?) geht es hier ziemlich ruhig zu. Mir ist z.B. nur ein einziger Boulderer unterwegs begegnet und es hat sich niemand einen 8er hochgebrüllt.
Das mag so schon schön sein, allerdings haben viele Blöcke – insbesondere die mit leichteren und sehr kurzen Linien – mangels Besuch schon deutlich “Patina”, sprich Moos und Dreck, angesetzt.
Boulderbürsten sind hier unabdingbar, und weil der relativ grobe Granit quasi unkaputtbar ist, darf hier ausnahmsweise auch mal eine Drahtbürste zum Einsatz kommen, um die scharfen Leisten frei- und die Sloper griffiger zu machen.

Geputzt und genutzt wird vieles aber auf alle Fälle einmal im Jahr, nämlich zum Boulderfestival namens “Petrohradské Padání” – das nächste übrigens in der Zeit von 20.-22.04.2018

Thema Unterkunft:
Leider schwierig im bouldertauglichen Winterhalbjahr. Die meisten Campingplätze – und so auch der ganz in der Nähe gelegene Autocamp Jesenice – öffnen ihre Pforten erst im April oder Mai.
Die Seite camp.cz bietet eine gute Suchfunktion für Campingplätze.

Wild campen ist in Tschechien streng verboten.
Es gibt vereinzelt Lagerplätze mit einfach(st)er Infrastruktur, die man an Schildern mit dem Wort “Tábořiště” unterwegs findet.
Ansonsten ist man auf Hotels, Pensionen und dergleichen angewiesen.

Achja: Essen, einkaufen und tanken (der Liter Superbenzin kostet pro Liter rund 10 Cent weniger als in Deutschland) kann man in Tschechien nach wie vor gut und günstig – auch wenn die eine oder andere Übersetzung ein Schmunzeln hervorrufen kann:
Aby neřídili motorová vozidla, dokud jste zaplatili za vaši erekci.

 

One thought on “Petrohrad”

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