Morteratsch

Klettern im Engadin hört sich ja schonmal toll an – Klettern im Oberengadin mit Gletscherblick ist aber noch viel besser!
Und wo geht das? In Morteratsch bei Pontresina!

Gletscherblick Klettergarten Morteratsch

«Perche cridast tü vadret?»

Der Klettergarten von Morteratsch, kurz vor dem Berninapass, ist einer der älteren Locations zum Sportklettern im Oberengadin – wobei sich «alt» auf die Erschliessung in den späten 80er Jahren bezieht. Geomorphologisch gesehen gilt das Gebiet als ziemlich jung, da noch vor rund 100 Jahren hier ausschliesslich Eis, in Form des Vadret da Morteratsch, zu sehen war. Die Infotafeln des Gletscherlehrpfades weisen eindrücklich darauf hin.

Koordinaten 792’248 / 147’153 – Sektor KIBE, 1920 m ü.M.
Parkplatz 792’284 / 147’523 – gebührenpflichtig, 1 Fr./h
Zugang Am Bahnhof vorbei dem Gletscherpfad folgen – die Sektoren befinden sich unmittelbar am Weg
Camping Camping Morteratsch – nur wenige Minuten Fussmarsch entfernt, geöffnet Juni bis und mit Oktober
Geocaches Geocaches als Liste | auf der Karte

Nun, wenngleich ob des Gletscherrückgangs sehr bedauerlich, entstanden hier rund 70 Routen in den Schwierigkeitsgraden 2a bis 7a+ mit recht eigentümlichen Eigenschaften:
Das Gestein ist zwar grundsätzlich griffiger Gneis, allerdings nicht zu vergleichen mit dem vom Tessin, da der hier vom Gletscher ziemlich glatt geschliffen wurde (abgespecktes Kalkgestein ist allerdings wieder ein anderes Kapitel).
Speziell in den unteren plattigen Sektoren fällt dies auf; im etwas höher gelegenen Hauptsektor bzw. in den oberen Schwierigkeitsgraden findet man eher Leisten, die mit kraftvoller Aufleger-Technik «bearbeitet» werden wollen.
Hier kann man also wunderbar lernen, ordentlich zu stehen und auf das Sohlenmaterial der Kletterfinken zu vertrauen. Hallenkletterer werden hier eine deutliche Blutdrucksteigerung zu spüren bekommen, denn «indoor» lässt sich so etwas halt nicht üben – ein schräges besandetes Brett ohne Tritte ist schliesslich keine Plattenschleicherei, schon gar kein Bündner Plattenklettern!

Klettergarten Morteratsch im Überblick
Klettergarten im Überblick

Klettergarten Morteratsch Sektor KIBE
Sektor “KIBE”

Klettergarten Morteratsch Chünetta Sur
Sektor “Chünetta Sur” (oben)

Klettergarten Morteratsch Hauptsektor
Sektor “Plattenschuss” (unten) und “Hauptsektor” (oben)
sanierte Routen mit schönem Ausblick


Die Absicherung der Routen ist recht gut, die Hakenabstände plaisir-mässig, wenngleich zwischen Hakenmaterial neueren Datums auch noch einige ältere rostanfällige Dübel und Alu-Laschen mit winzigem Loch zu finden sind.
Dank der südseitigen, teils auch südost-seitigen Ausrichtung ist das Klettern schon, für die Lage oberhalb von 1900 m.ü.M. relativ zu sehen, früh im Jahr möglich. Locals zufolge muss man in der wärmeren Jahreszeit durchaus mit Hochbetrieb rechnen; ich persönlich kann das nicht bestätigen – bei meinen beiden letzten Besuchen an sonnigen Sonntagen wagte sich nur 1 andere Seilschaft hier her.

Obschon man sich hier ein wenig orientieren muss, da die Routen auf mehrere neben- und übereinanderliegende Sektoren (per Trampelpfad, teilweise mit Steinmannli markiert, ist der Zustieg kein Problem) verteilen, findet man «seine» Routen recht schnell; die meisten Routennamen sind auf gelben Rechtecken signalisiert.

Der einschlägige SAC-Kletterführer «Graubünden» hilft gut weiter; allerdings ist die 2013er Auflage dahingehend nicht mehr aktuell, dass inzwischen einige Routen des Sektors “Plattenschuss”, die bisher nur einen Toprope-Umlenker hatten, mittlerweile auch mit Zwischenhaken versehen wurden.
Alternativ gibt es von Andrea Matossi noch einen 2bändigen Engadin-Kletterführer: Band 1 (2011), Band 2 (2017), den ich allerdings nicht greifbar hatte.

Und sonst so?

Wer’s gern etwas alpiner haben möchte und/oder dem Andrang entfliehen möchte, folge einfach dem Gletscherlehrpfad respektive dem markierten Bergweg in Richtung Bovalhütte – eine Viertel- bis halbe Stunde oberhalb der Hütte befinden sich weitere 25 Gneis-Routen zwischen 3a und 7a+

Und am Ruhetag?

Ein Ruhetag muss ja nicht zwangsläufig «Nixtun» bedeuten…
Bei allfälliger Lust auf eine Wanderung kann ich z.B. die zu einem der schönsten Bergseen der Schweiz, dem Lagh da Saoseo (Koordinaten: 806’600 / 142’100), wärmstens empfehlen.
Einfach über den Berninapass, ein paar Kehren bergab und bei Sfazù (Parkplatz bei 802’990 / 141’080) parkieren. Dann gemütlich rund 450 Höhenmeter hochschlendern und die fantastischen Farben des Sees geniessen – und mit etwas Glück, wenn nicht gerade am Wochenende, findet man sogar noch eine ruhige Ecke fürs Yoga:


In unmittelbarer Nähe zur Rifugio Saoseo sowie rund 200 Höhenmeter weiter oben, beim Lagh da Val Viola, gibt es übrigens auch noch Klettermöglichkeiten…

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