La Sportiva Otaki

Als der La Sportiva Otaki Ende 2015/Anfang 2016 das erste Mal den Augen der Weltöffentlichkeit gezeigt wurde, hörte man Gerüchte und Meinungen à la “eine Mischung aus Katana und Miura”. Später hiess es dann, der Schuh sei eine Weiterentwicklung des Miura – meinem Lieblingsschuh.

Das war dann Grund genug, mir endlich ein Paar dieser Schuhe …

La Sportiva Otaki Woman
Damenmodell
Farbe: Sulphur / Coral

La Sportiva Otaki
Herrenmodell
Farbe: Blue / Flame

… zu gönnen und sie mal einem Vergleich zu unterziehen.

Gleich nach dem Auspacken die erste Überraschung:
Das ist nie und nimmer ein “Katana plus” – denn dafür ist der Schuh zu asymmetrisch und zu stark vorgespannt:

Miura, Otaki und Katana
Miura (links), Otaki (Mitte) und Katana (rechts)

Einzig die frottee-gefütterte Zunge hat der Otaki vom Katana “geerbt”. Dafür ist der Otaki aber im Vorderfussbereich etwas breiter als der Katana. Ist also eine Komfortfrage.
Okay, dann also der Vergleich mit dem Miura VS – auch dieser haut nicht so wirklich hin:

Otaki und Miura
Otaki (vorne) und Miura (hinten)

Der Miura hat zwar eine ähnliche Vorspannung wie der Otaki, aber die Zehenpartie des Miura ist bei weitem nicht so ausgeprägt wie die des Otaki.

Nanu?! Haben wir es hier etwa mit einem “Solution für Arme” zu tun? Schauen wir’s uns an:

Otaki und Solution
Otaki (vorne) und Solution (hinten)

Tatsächlich, die beiden sind sich wirklich sehr sehr ähnlich. Alle drei – Solution, Otaki und Miura – haben das bekannt-bewährte P3-System (Permanent Power Platform), aber Sohle und Schaft unterscheiden sich bei Otaki und Solution nur in Nuancen.

Das muss man natürlich genauer wissen – anprobieren!

Otaki und Solution angezogen

Und siehe da, die beiden fühlen sich am Fuss ebenfalls sehr sehr ähnlich an; die Passform ist im ersten Moment quasi identisch.
Nur ein minimaler Unterschied ist spürbar: Die bekannte “Socke” des Solution fehlt und das Innenfutter des Otaki besteht aus Synthetikmaterial.

gefütterte Zunge und Synthetikfutter
Synthetikfutter im Fersenbereich und gefütterte Zunge wie beim Katana

Etwas gewöhnungsbedürftig, liegt aber vielleicht daran, dass ich den Solution halt einfach schon länger trage.
Dabei heisst es, der Otaki sei für längeres Tragen konzipiert. Wird sich rausstellen, dachte ich. Da pünktlich zum Liefertermin der Regen einsetzte, musste der erste Test ein paar Tage warten. Nachdem aber die ersten Routen wieder kletterbar waren, konnte ich es kaum erwarten, den Schuh mal wirklich auszuprobieren. Erstes vorsichtiges Antesten im berühmt-berüchtigten Kalk-Schlonz auf der Schwäbischen Alb:

Erster Otaki-Test im Kalk Erster Otaki-Test im Kalk

Ähm… Wow!
Die Schuhe sitzen satt am Fuss, aber durchaus nicht unbequem. Ich hatte sie sogar ununterbrochen zwei Routen lang zuzüglich Umfädelns und Abbauens anbehalten können.
Im Gegenzug hatte ich den Eindruck, dass sie weniger sensibel als die Solutions sind; das anfängliche – im Vergleich zum Miura – schwammigere Gefühl erledigte sich nach den ersten paar Routen. Ein halber Millimeter mehr an Sohlengummi macht sich halt schon bemerkbar – 4mm sind es beim Otaki, und zwar der bekannte Vibram XS Grip2 beim Damenmodell und XS Edge beim Herrenmodell.

Auch die Frage nach der passenden Grösse ist schnell beantwortet:
Die allgemeine La-Sportiva-Faustformel “Strassenschuhgrösse minus 2,5” hat sich auch bei mir bewährt und trifft hier voll ins Schwarze.
Ist übrigens der Grund, weshalb ich auch hier auf das Damenmodell (schmäler geschnitten und einen Tick weicher) zurückgegriffen habe; das blaue Herrenmodell war in Gr. 38 nicht verfügbar… 😉
Das ist aber schon sehr “sportlich” – der mit Erfahrungen anderer Kletterer gefütterte Grössenrechner von bergfreunde.de tendiert eher in Richtung “Strassenschuhgrösse minus 1,5 bis 2”.

Preisfrage: Ist der Otaki also ein “Solution für Arme”?
Nein, gar nicht – denn der Listenpreis ist für beide lustigerweise exakt gleich hoch!

Und welchen nun kaufen?
I ha kei Ahnig… es ist letzten Endes primär eine Geschmacksfrage, ob man nun zwei bzw. drei gegenläufige Klettverschlüsse oder das Fast Lacing System vom Solution haben möchte oder ob einem die eine oder andere Farbe besser zusagt… bezüglich der Performance schenkt sich das Trio offensichtlich nicht viel. Und wenn, dann sind es sicherlich nur minimale Nuancen, aber dann kann man wenigstens einen vergeigten Onsight auf die falschen Schuhe schieben 😀

Eine gewisse Enttäuschung kann ich ehrlich gesagt trotzdem nicht verbergen. Eigentlich hatte ich mir eine echte Revolution auf dem Markt erhofft, aber “alten Wein in neuen Schläuchen” bekommen.
Vermutlich ist man jetzt doch irgendwo an der Grenze des technisch Machbaren angekommen?!

 

Ein Gedanke zu „La Sportiva Otaki“

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