Deine Kraft an die Wand bringen

«Genügend Kraft ist ein Zustand, den es gar nicht gibt.»

– Wolfgang Güllich

Wenn Du Dich öfters mit Klettertraining lesend oder hörend beschäftigst, dann sollte Dich diese Aussage eigentlich wundern – schliesslich heisst es andererseits immer «Es ist nicht immer fehlende Kraft». Und davon will ich hier gar nicht abweichen, ich denke immer noch, dass Technik viel wichtiger und schwerer zu trainieren ist. Aber wenn Du meinst, dass Du zu wenig Kraft hast, dann solltest Du sie natürlich trainieren. Dabei solltest Du Dich aber fragen:

    • Wieso kann die Kletterin neben mir die 8 klettern, ohne einen einzigen Klimmzug zu schaffen?
    • Wieso kann der Kerl aus dem Fitnessstudio, der 40 Klimmzüge schafft, nicht besser klettern?
    • Wieso hilft es meiner Kletterleistung nicht, wenn ich 20 Klimmzüge mehr schaffe?

Aufmerksame Leser werden jetzt als Antwort «fehlende Technik» nennen. Das stimmt natürlich. Auch. Es geht aber auch um kletterspezifische Kraft. Ein Klimmzug ist keine (!) kletterspezifische Bewegung. Die Winkel sind ganz anders, die Arme ziehen nie so synchron. Die Hilfsmuskulatur wird ganz anders belastet. Es werden andere Muskelketten verwendet. Die Muskeln müssen anders angesprochen werden usw.
Was also tun, wenn Du stärker werden möchtest?

Mach Dein Kletterkrafttraining an der Wand! Am besten an einer Trainings-/Systemwand, die ca. 30°-45° überhängend ist. Du willst nicht nur Deine Klimmzug- oder Campusboard-Leistung verbessern, sondern bei komplexen asymmetrischen Bewegungen stärker werden. Dann musst Du auch das trainieren, quäl Dich an dieser Wand, bis Du rausfällst. Dann geh nochmal ran und zieh weiter. Und noch weiter. Fallen ist OK, geh nochmal ran.
So wirst Du als Kletterer stärker!