Knappenfelsen

Klettern im Elsass bzw. in den Vogesen – da denkt man doch spontan an den roten Sandstein, was denn sonst?
Weit gefehlt, es gibt auch tollen Granit zum Plattenschleichen und Finger-Langziehen; und das auch noch in einer herrlichen Umgebung!
Knappenfelsen

Da wären zum Beispiel die Knappenfelsen – ein hübscher Granit-Klettergarten, der ausnahmsweise mal deutlich mehr Kletterer als bisher vertragen könnte. Die bekannten und berannten Sandsteinfelsen von Gueberschwihr, knapp eine Stunde entfernt, könnte da mal ein paar Kletterer abgeben…
Im Sommer 2005 hat in der Club Vosgien Masevaux in mühevoller Kleinarbeit die grossen Brocken freigeschnitten, vom allgegenwärtigen Moos befreit und knapp 60 gut abgesicherte genussvolle Routen eingerichtet.

Koordinaten N47 49.152 E6 52.776
Parkplatz N47 48.963 E6 52.595
Zugang Dem Forstweg bergauf folgen. Nach ca. 300m befindet sich links vom Weg der Sektor A, nach weiteren 350m die übrigen Sektoren.
Geocaches Geocaches als Liste | auf der Karte

Zugegeben, wir haben dort den «Yosemite der Vogesen» nicht gefunden, aber der Fels ist hervorragend und die Platten können sich durchaus mit denen im Tessin oder gar auf der Grimsel messen lassen.
Der Knappenfelsen ist auf spielerische Weise gedacht, regt zum Klettern im Kopf an und man sollte eine Drahtbürste nicht vergessen: Eigentlich ist das ein schönes Frühjahrs- und Herbstgebiet, durch seine südseitige Lage, aber offensichtlich «verirrten» sich hierher bislang offensichtlich wohl nur wenige Kletterer, so dass insbesondere die leichteren Routen schon einen gut sichtbaren Moos-Belag tragen.

Knappenfelsen unterer Teil Knappenfelsen oberer Teil

Aber keine Sorge: Es ist in der Realität nicht so schlimm, wie es vielleicht auf den Bildern aussehen mag. Trotz «Patina» sind die Routen schnell trocken und können gut geklettert werden.
Viele Umlenker sind übrigens von oben erreichbar, ein kleiner – teilweise drahtseilversicherter – Pfad führt über den Felskopf.
Im parkplatznahen Sektor A …
Knappenfelsen Sektor A
… ist Toprope sogar Pflicht (die Franzosen sind da eh nicht so «allergisch» dagegen wie die Deutschen), dort gibt es keine Haken, aber dafür Umlenker und eine Stahlbrüstung gegen Seilreibung. Oder man benutzt das Crashpad.

Die Routen tragen übrigens allesamt keine Namen, sondern sind von links (unten) nach rechts (oben) durchnummeriert. An den einzelnen Einstiegen befinden sich kleine Alu-Tafeln, und ein komplettes Topo samt der Nummern einschliesslich «Bedienungsanleitung» für die Umlenker gibt es direkt am Wandfuss:

Knappenfelsen Infotafel mit Topo Routennummer auf dem Granit

Tipp: Nach dem Klettern einfach die Strasse noch rund einen Kilometer hochfahren und am malerischen Ufer des Lac d’Alfeld …
Lac d'Alfeld
… den Tag mit dem Grillieren eines Cervelat ausklingen lassen.
Auch als Winterziel geeignet, schliesslich ist am benachbarten Wasserfall auch Eisklettern möglich.

Campieren ist am See – verständlicherweise – nicht gestattet (Verbotsschilder); das verlegt man am besten in die nächstgrössere Gemeinde, nur ein paar Autominuten entfernt. Wir hatten auf dem Camping de Masevaux übernachtet.

Kletterführer

Am einfachsten:

bzw. in Papierform leider vergriffen:

Und sonst so?

Sollten euch die paar hundert Meter Zustieg zum Knappenfels doch zu weit oder zu anstrengend sein, dann fahrt doch ein paar Kilometer weiter, genauer gesagt die Serpentinen über den Ballon d’Alsace, und betätigt euch am Roche du Cerf:
Roche du Cerf - Hauptwand
Der besteht zwar nicht aus Granit, sondern aus Gabbro (einem vulkanisch-magmatischen Gestein), ist aber klettertechnisch nicht weniger interessant.
Der Zugang ist wie gesagt perfekt für Lauffaule und Konditionsschwache, bemisst man schliesslich die Zustiegszeit dort nicht in Minuten, sondern eher in Sekunden.

Koordinaten N47 46.797 E6 50.047
Parkplatz N47 46.797 E6 50.035
Zugang Kofferraum öffnen, Gstältli anlegen, anseilen 😉
Geocaches Geocaches als Liste | auf der Karte

Die örtlichen Bergsteiger machten den Fels in den 60er Jahren zu ihrem «Spielplatz». Dann geriet die Wand ziemlich in Vergessenheit und wurde erst Mitte der 80er Jahre wiederentdeckt und die Absicherung in den darauffolgenden Jahren immer wieder verbessert.
Es sind rund 40 Routen sofort nutzbar, davon auch eine Handvoll Mehrseillängen (zwei und drei Seillängen – Stand auf einem breiten Felsband, auch seitlich per Pfad erreichbar), allerdings schafft auch ein Topo aus dem gedruckten Kletterführer nicht immer sofort 100%ig Klarheit über den Routenverlauf. Muss, kann und darf man probieren und experimentieren. Wer im sechsten Franzosengrad «sattelfest» ist, hat hier freie Bahn.
Neben der markanten Hauptwand gibt es noch drei kleinere Sektoren mit weiteren 20 Routen, die allerdings aufgrund ihrer schattigen Lage kaum besucht werden, dementsprechend dreckig sind und auch vom Hakenmaterial her saniert werden müssten.

Oberhalb der Wand befinden sich übrigens noch einige Boulderblöcke. Dank der Parkplatznähe hat man ja Gstältli und Crashpad speditiv ausgetauscht…

Kurzum: Mit diesen beiden Felsen hat man locker wieder ein Wochenende «gerettet»!

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