Kletterschuhe neu besohlen?

Jeder Kletterer stösst früher oder später auf das Problem:
Soll ich die bequemen Treter reparieren bzw. neu besohlen lassen oder soll ich neue kaufen?

Ich habe mit verschiedenen Kletterschuhmodellen und Reparaturmethoden meine Erfahrungen gemacht:

Vorweg, eine allgemeingültige Aussage, wie lange die Kletterfinken durchhalten, kann man nicht treffen. Es kommt zum einen auf die persönliche (Fuss-)Technik und das Sohlenmaterial an, zum anderen aber auch, wo man den Schuh einsetzt – im relativ glatten Kalkgestein nutzen Kletterfinken in aller Regel deutlich weniger ab als beispielsweise im Sandstein, Granit oder gar in der Halle (die rauhen Hallengriffe und -wände sind der Sohlenkiller Nr. 1 – deswegen habe ich auch ein separates Paar Schuhe nur fürs Hallenklettern).

Wann ist es Zeit zum Neubesohlen bzw. für Ersatz?

La Sportiva Miura
Höchste Eisenbahn für diese La Sportiva Miura VS!

Boreal Satori
Teure Herausforderung für den Schuster bei diesen Boreal Satori

Wenn schon der grosse Zeh ans Tageslicht will, ist es definitiv allerhöchste Zeit – wenn nicht gar schon zu spät, weil nicht nur das Gummi, sondern auch das Obermaterial leiden musste. Je grösser das Loch ist, umso “grobschlächtiger” muss eine Reparatur erfolgen. Günstig ist es in keinem Fall, denn alleine die Sohlen ohne Randgummi schlagen mit rund 30 EYPΩ zu Buche.

In aller Regel wird das werksseitige Gummi nicht vollständig entfernt, sondern die schadhaften Stellen abgeschliffen und ein mehr oder weniger grosses Stück Gummi neu aufgeklebt. Das hat zur Folge, dass – je nach Umfang der Beschädigung – die Spitze des Schuhs “klobiger” und eventuell auch unsensibler wird.

Auf dem folgenden Bild kann man dies gut erkennen – das gleiche Schuhmodell, ein Scarpa Vapor, einmal im fast neuen Zustand und einmal nach Erneuerung des Randgummis:
Neue und neu besohlte Scarpa Vapor

Natürlich kommt es auch darauf an, wie gross der Schaden zum Zeitpunkt der Reparatur war und natürlich auch, wie gut der Schuhmacher sein Handwerk beherrscht.

Wie man am Beispiel dieses La Sportiva Miura Lace sieht, kann das ganze auch schön filigran ausfallen und sich nur wenig vom Neuzustand unterscheiden:
Neu besohlte La Sportiva Miura

Bei stark pointierten Schuhen, wie beispielsweise beim La Sportiva Solution, wird das aber immer schwieriger, den Ursprungszustand wieder einigermassen hinzubekommen. Hier wäre man mit einem Neukauf besser bedient – zumal auch, speziell bei den Schuhen von La Sportiva, das sogenannte P3-System (Permanent Power Platform) im Laufe der Zeit allmählich schwächelt und der Schuh ohnehin ein immer schwammigeres Gefühl abgibt.

Fazit: Je “unspektakulärer” ein Kletterschuh ist, also wenig Spitze und keine bis wenig Vorspannung und Asymmetrie, umso leichter ist es, diesen neu zu besohlen und umso geringer sind die fühlbaren (!) Unterschiede zwischen einem neuen und einem reparierten Schuh.

Nur dummerweise sind solche Schuhe halt günstiger und da tut der Neukauf nicht ganz so weh wie bei einem High-End-Schuh…

Eine Auswahl gängiger Anbieter von Kletterschuh-Reparaturen:

Die vier erstgenannten sind übrigens offizielle, autorisierte Reparaturservice von/für La Sportiva.

Ich persönlich handhabe es übrigens so, dass ich aufgrund meiner Erfahrungen keine Kletterschuhe mehr zum Besohlen gebe – vielmehr warte ich nicht bis zur ultimativen Abnutzung und stelle meine Schuhe stattdessen ins eBay, damit z.B. Anfänger kostengünstig gute und noch brauchbare Schuhe kostengünstig testen und vollends “runterschrubben” können.

Wie schaut so etwas in der Praxis aus?
Surft doch mal bei kletterschuhdoktor.de vorbei oder schaut euch das kleine Video an, wie so eine Kletterschuhreparatur ablaufen kann:

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