Grosse Klara

Die Halbseile mussten auch endlich mal wieder an die frische Luft, bevor sie vollends einstauben…
Die Wetterkapriolen, örtlich teilweise mit Neuschnee ab 2500 m.ü.M. mitten im August, machen die Planung und Durchführung einer alpinen Klettertour nicht gerade einfach – also “muess alles ganz chli afah”. Auch für mein Klettergspänli, die ich hier zu ihrer ersten Mehrseillängentour führte 😉

Die “Grosse Klara” ist sozusagen der Hausberg und gleichzeitig das Wahrzeichens des kleinen Bergdorfes Ebnit in Vorarlberg:

Kleine und Grosse Klara

Dass man hier klettern kann und mindestens eine eingebohrte Kletterroute zum Gipfelkreuz führt, habe ich auch nur durch Zufall erfahren.

Wenn man sich erstmal durch die Innenstadt von Dornbirn durchgekämpft und die Wegweiser in Richtung Rappenschlucht bzw. Ebnit gefunden hat, stehen einem erstmal noch knapp 10 km Fahrt über eine schmale Bergstrasse entlang der Dornbirner Ache bevor, bevor sich einem obiger Anblick eröffnet.

Der Zustieg samt Wegfindung gestalten sich dafür völlig unspektakulär und unkompliziert:
Vom (einzigen grossen) Parkplatz, beim Marend neben der Kirche, geht es den Schotterweg und einen gut erkennbaren Pfad entlang, bis man eine Viertelstunde und 110 Höhenmeter später direkt vor der Westwand mit dem Einstieg der buchstäblich naheliegendsten Route steht:

Via Bäru (UIAA 3+)

In Zahlen:

Route Via Bäru
Schwierigkeit UIAA III+
Seillängen 2 II+ / III+
Kletterausrüstung 60m Doppelseil*, 4 Exen, Schlingen
Einstieg 1170 m ü.M. N 47.35195 E 9.74846 Details
Gipfel 1225 m ü.M. Grosse Klara

Zum Gipfel führen übrigens laut Alpinkletterführer Vorarlberg noch (mindestens) drei weitere Routen: Durch die Südwand die “Via Christina” alias “Christina-Hollenstein-Gedächtnisführe” (UIAA VIII-), die “Kurt-Sonntag-Gedächtnisführe” (UIAA VI/A2) und die “Südwestkante” mit unbekanntem Schwierigkeitsgrad.

Aber zurück zur “Via Bäru” – Vom Einstieg aus sieht die Route vor allem in der 1. SL schlimmer, sprich “botanisch”, aus als sie in Wirklichkeit ist. Klar sind die grasigen Stellen augenfällig, aber man hat immer noch genug Felskontakt. Es gelten halt die üblichen Vorsichtsmassnahmen nach einer Schlechtwetterphase, wobei die Route aufgrund ihrer recht exponierten Lage sehr schnell abtrocknen dürfte.

Via BäruGesichert wird in der 1. SL an einem (1) Bohrhaken, übrigens neueren Datums, was auch für diesen Schwierigkeitsgrad völlig ausreichend ist. Wer mag kann sich auch mit Köpfelschlingen und evtl. dem einen oder anderen Keil noch die Nerven beruhigen.

Schon von diesem Haken aus erspäht man den ersten Standplatz  …

Standplatz und Schlüsselstelle

… den man auch zweckmässigerweise zur Reduzierung der Seilreibung nutzen sollte.
Dort, an den beiden Bohrhaken, angekommen, offenbart sich auch die Schlüsselstelle der Tour. Geradeaus geht es über eine leicht abdrängende Stufe; alternativ könnte man auch weit nach rechts ausqueren – in der kleinen geneigten und ausgesetzten Platte findet man auch einen Haken (gehört auch evtl. zu einer anderen Route?).

Blick auf Ebnit und die Kleine Klara

Von hier aus hat man auch bereits einen netten Ausblick auf die “Kleine Klara” (im Bild unten links), die Ortschaft Ebnit und die umliegende Berglandschaft.

Die 2. SL im allgemeinen und besagte Schlüsselstelle im speziellen, sind sehr gut, ja direkt sportklettermässig, abgesichert. An der Schlüsselstelle zwei Bohrhaken neueren Datums, kurz darüber ein alter Normalhaken und auf dem restlichen Weg zum Gipfel mehrere gut erhaltene Sanduhrschlingen. Ausser einigen Expressen muss man also eigentlich kein eigenes Material mitschleppen.

Der Standplatz am Gipfel besteht schlicht und einfach aus drei Schlingen um das massive Gipfelkreuz Baujahr 1979 incl. einem Schraubglied.
Man kann von hier aus noch eine dritte “Mini-Seillänge” anschliessen, um es sich auf der exponierten Felsnase auf der Südwand gemütlich zu machen:

Der Rückweg gestaltet sich auch absolut einfach.
* Halbseile sind eigentlich für diese Tour völlig “overdressed”, aber sie spielen beim Abseilen hier deutlich ihre Vorteile aus: Mit 2x 60m kann man ganz geschmeidig buchstäblich in einem Rutsch zum Einstieg abseilen und spart sich das Umfädeln am Standplatz.

Das war’s dann (leider) schon, aber hier stimmt einfach alles – kurzer Zustieg, nette leichte Kletterei über zwei Seillängen, interessante Ausblicke und ein ideales Ausbildungsterrain für Alpin-Einsteiger!

 

One thought on “Grosse Klara”

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