Do’s and Don’ts für gesunde Finger

Die Muskeln der Finger kommen ja vom Unterarm, deshalb sind alle Probleme in den Fingern selbst eher auf Bänder und Sehnen zurück zu führen. Und deshalb gibt es an dieser Stelle auch keine Übungen, sondern nur Überlegungen, wie ich mit eine wenig Vernunft meine Finger gesund halten kann.

Die Sehnen der Fingermuskulatur laufen von der Innenseite des Ellenbogens unter dem Handgelenk (am «Puls») und an der Innenseite der Finger entlang zum äussersten Fingerglied. Die Sehnen von Mittel- und Ringfinger starten gemeinsam und trennen sich erst kurz vor den Fingern. Das ist übrigens der Grund, warum Du bei angebeugtem Mittelfinger den Ringfinger nicht komplett strecken kannst. Die Sehnen werden von Bändern am Knochen gehalten, ohne diese Ringbänder würde der Zug des Muskels die Sehne wie ein Bogen vom Knochen wegziehen.

Mittlerweile ist ja bekannt, dass der Zug auf die Ringbänder deutlich grösser wird, wenn Du die Finger aufstellst. Deshalb ist eine der wichtigsten «don’ts»: Finger so wenig wie möglich aufstellen; wenn Du aufstellst, dann nur langsam damit anfangen. Ein Training von Bandstrukturen dauert, die Chance dabei ein Ringband anzureissen ist extrem hoch! Dann lieber die Finger hängen lassen und die Greifmuskulatur besser trainieren. Selbst wenn Du Aufstellen gewöhnt bist, die Belastung ist deutlich höher! Es geht meistens auch ohne Aufstellen, und wenn nicht, dann ist die Verletzungsgefahr meistens zu gross.

Eine weitere Überlegung zur Anatomie der Ringbänder und Sehnen: Wenn Du Dir Deine Finger ansiehst, dann erkennst Du, dass sie für die Bewegungen Beugen und Strecken gemacht sind, nicht für ein seitliches Abspreizen. Das wird beim Klettern jedoch öfter provoziert, manchmal unbewusst durch Bewegungen in Fingerlöchern, wo eine Drehung dabei ist. Mache Dir immer bewusst: Wenn die Belastung sich von der Bewegung, für die die Finger gemacht sind, in Richtung der Bewegung verschiebt, wofür Deine Finger nicht gemacht sind, handelst Du Dir Probleme ein. Überlege vorher, wie Du einen Griff belasten kannst, und solche extrem ungünstigen Belastungen vermeiden kannst. Im Zweifel muss man auch nicht jeden Zug und jede Route machen.

Exkurs: Eine recht anschauliche Geschichte, was passieren kann, wenn man zu schnell zu viel will findet ihr im Blog von Lena Böhm alias «the_last_jug» auf Instragram

Versuche auch immer, die Finger möglichst parallel zu belasten. Soll heissen, wenn der Zeige- und Mittelfinger in einem Griff gebeugt sind, dann lasse nicht den Ring- und kleinen Finger gestreckt daneben liegen. Das ist nur selten nötig und entlastet Deine Sehnen enorm, besonders, wenn Du aus dem Griff rutscht! Andersherum gilt natürlich das selbe: Sind die belasteten Finger in hängender Position, dann sollten alle Finger in eher gestreckter als gebeugter Position liegen.

Eine kleine eigene Anekdote zum Thema «Fingerbelastung»: ich habe früher meine Kletterfinken immer im Stehen angezogen. Dazu musste ich Ring- und Mittelfinger in die Einstiegslaschen fädeln, sie etwas ausspreizen und dann den Fuss reinzwängen. Irgendwann bemerkte ich, dass mit diese Bewegung an den Fingern weh tat. Auch beim und nach dem Klettern! Seit dem ich das jetzt lasse (und mich zum Anziehen der Schuhe hinknie, um die Laschen anders zu fassen), sind die Probleme nach einer Woche verschwunden. Da habe ich aber auch alles falsch gemacht: Nicht alle Finger parallel, seitliche Belastung der Finger… Das macht auch bei gefühlt kleiner Belastung auf Dauer echte Probleme. Manchmal machen kleine Gewohnheitsänderungen grosse Unterschiede, auch bei Deinen Kletterbewegungen.