Finale Ligure plaisir

10 Routen in 10 Tagen” – das ist nicht etwa die Bilanz einer alpinen Hütten- und Klettertour (die ich übrigens liebend gerne einmal machen würde), sondern die Bilanz der deutschen Invasion in Ligurien* meines knapp zweiwöchigen Aufenthalts in der Region um Finale Ligure.

Finale also… eines der vielgepriesenen “must haves”, neben Arco, die ein Kletterer einmal in seinem Leben auf der Agenda haben sollte. Zumindest theoretisch.
Man sollte sich dabei stets vor Augen halten, dass man hier nicht wirklich einen Blumentopf gewinnt, sollte man nicht mindestens im sechsten Franzosengrad fit sein. Das war uns von Anfang an durchaus klar, nur mussten wir nach der Buchung unserer Unterkunft gesundheits- und verletzungsbedingt etwas kürzer treten und uns mit den leichteren Routen zufrieden geben.

Daher hier mal ein Bericht über vier Kletterspots, in denen man auch als (Wieder-)Einsteiger und Rehabilitant glücklich werden kann – oder eben auch nicht.

1. Cava di Rio Fine

GPS-Koordinaten: N44.16192 E8.32505

Ein ehemaliger Steinbruch, in den 10 Routen zwischen 3b und 6a eingebohrt wurden.
Die Vergangenheit ist im linken Teil deutlich erkennbar, namentlich an den noch gut erkennbaren Bohrlöchern für die Sprengladungen seinerzeit. Gleichwohl ist das Klettern dort absolut keine Freude, denn das Gestein fühlt sich in etwa an wie das Kopfsteinpflaster einer Fussgängerzone.
Ganz im Gegensatz dazu der rechte Teil – hier findet man noch naturbelassenes, löchriges und mit sehr schönen Sinterstrukturen durchsetztes Gestein, wie man es für einen meeresnahen Fels erwartet.

Cava di Rio Fine

Dumm nur, dass die Routen genau dort nur sehr sehr kurz, nämlich maximal 10 Meter lang, sind.
Der kurze Zustieg von einem Schotterparkplatz am Rande von Borgio Verezzi sorgt dann doch dafür, dass man für das kurze Vergnügen nicht kilometerweit durch die Macchia laufen muss.

2. Rocce dell’Orera

GPS-Koordinaten: N44.17277 E8.31748

Hier waren wir insgesamt viermal, da es sich um den wohl schönsten Klettergarten der hier beschriebenen Gebiete handelt.

Rocce dell'Orera

Toller Fels, löchrig wie ein Emmentaler – also Griffe en masse und ganz famos zu klettern.
Zumindest die Routen im rechten Teil; links hat man eher mit Vegetation zu kämpfen und sollte diese Routen daher auch nur bei absoluter Trockenheit begehen.
Und es gibt auch noch “Altlasten”, namentlich brüchige und teilweise – laut Kletterführer – gefährlich abgesicherte Routen.
Dafür kann man sich aus einer kurzen MSL auch noch als kleines Schmankerl noch einen Geocache (GC3Z1ZH) schnappen.

Somit beschränkt sich letzten Endes das Klettervergnügen wieder auf einen kleinen Wandteil, den man unter Umständen noch mit Familien und Kletterkursen teilen muss (ist uns an einem Tag so ergangen).

Zustiegsroute als GPX-Datei gibt’s hier:

3. Rocca di Perti – Sektor “Tre porcellini”

GPS-Koordinaten: N44.19395 E8.30968

Die “Drei Schweinchen” – Mein persönliches Gruselkabinett während dieses Aufenthalts…

Den markanten Berg sieht man schon bei der Anfahrt über die Autobahn (links oberhalb der Ausfahrt Finale, wenn man aus nördlicher Richtung kommt). Der Berg an sich ist ja wirklich sehr schön und es gibt dort sicher auch traumhafte Routen in kompaktem Kalk, ganz ähnlich wie im Fränkischen oder auf der Schwäbischen Alb – die Sahnestückchen sucht man jedoch besser ausserhalb dieses Sektors.

Rocca di Perti - Sektor "Tre porcellini"

Warum?
Nun, laut Kletterführer wurden diese Routen erst 2010 eingebohrt. In dieser kurzen Zeit hat das Gestein durchaus schon reichlich, in der warmen Mittelmeersonne glänzende, Gebrauchsspuren eingefangen: Abgespeckt!
Und dass nicht nur wir zufällig auf eine Horde Kletterer (übrigens, wie auch beim Rocca dell’Orera, allesamt deutschsprachig, daher mein Intro von wegen “Invasion”) stiessen …

Rocca di Perti - Sektor "Tre porcellini"

… kann man recht deutlich an den Umlenkern erkennen: Mindestens einer der beiden Klebehaken am Stand ist vom Dauertopropen schon ordentlich eingeschliffen.
Erschreckend dabei war dann noch, wie viele der angetroffenen Kletterer – offensichtlich gerade frisch aus der Halle raus – nichtmal die absoluten Basics des Felskletterns (z.B. Fädeln und Abseilen) beherrsch(t)en. Einer gestand sogar im Gespräch, seine Kenntnisse über das Verhalten am Umlenker auf YouTube “gelernt” zu haben… nix wie weg hier… 🙁

4. Capo Noli

Insgesamt vier Kletterfelsen direkt an der Küstenstrasse zwischen Finale Ligure und Noli mit 53 Routen in den Schwierigkeitsgraden 3a bis 7c. Hier haben wir nur kurz zwecks Fotos vorbeigeschaut, da die Parkmöglichkeiten – die mit zahlreichen Strandbesuchern geteilt werden müssen – sehr begrenzt waren.

Besonderheit: Es gibt keinen begehbaren Wandfuss, d.h. die Routeneinstiege erreicht man vom Strassenniveau durch Abseilen und macht anschliessend Stand knapp oberhalb der Wasseroberfläche beziehungsweise man richtet ein Toprope ein, wozu man allerdings teilweise die Leitplanke (!!!) benutzen muss.

Capo NoliCapo Noli

Fazit insgesamt:

Die ohnehin spärlich gesäten leichteren Routen sind jetzt nicht wirklich der Hit. Wer schwer(er) klettern kann, wird sicherlich ausreichend fündig beziehungsweise kann den Menschenmassen besser ausweichen. Dann reichen allerdings 1½ Wochen nicht, um alles zu erkunden 😉

Wer nicht unbedingt aufs Klettern fixiert ist, sollte unbedingt in Erwägung ziehen, Mountainbikes mitzunehmen oder zu mieten – denn auch hierfür ist die Gegend um Finale Ligure bekannt und prädestiniert.

Und was generell negativ auffiel: Es liegt leider verdammt viel Müll, insbesondere Zigarettenkippen, rum und auf einigen Wegen muss man sehr aufpassen, nicht eine stinkende “Tretmine” zu erwischen…
Es ist doch wirklich nicht zuviel verlangt, seinen Unrat wieder mitzunehmen und seine Notdurft an unauffälligerer Stelle zu verrichten!

Kletterführer für die Gebiete um Finale Ligure gibt es zwei:

Ich besitze ersteren – Welchen man letztendlich bevorzugt, ist wohl Geschmackssache; wie wir in Gesprächen mit anderen Kletterern vor Ort feststellten, differieren die Schwierigkeitsbewertungen und Routenbeschreibungen teils deutlich.

Einkaufsmöglichkeiten:
Dinge des täglichen Bedarfs bekommt man z.B. im Supermarkt “SuperDi” in Finalborgo, der lange Öffnungszeiten hat und tlw. auch sonntags geöffnet hat.
Lebensmittel sind allerdings allgemein relativ teuer, so dass ihr Euch gut überlegen solltet, was ihr von zuhause mitnehmt. Gleiches gilt auch für Kraftstoff (um 1,70€/ℓ für Super 95), also unterwegs in Österreich oder der Schweiz volltanken!
Outdoor-Equipment sind in etlichen Läden in Finalborgo erhältlich, z.B. im erwähnten Salewa-Shop oder bei “Finale Climb“.

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