Edelrid Ohm

Wer kennt’s nicht: Man würde sich ja gerne von Frau, Freundin oder Kind im Vorstieg sichern lassen – wenn da der Gewichtsunterschied nur nicht wäre…
Dieses Problem wurde aufgegriffen und das Edelrid Ohm als Ergänzung zum Sicherungsgerät auf den Markt gebracht.
Das Ohm am Fels

Das Ω musste ich natürlich gleich einem Test unterziehen, da ich selber des öfteren vor dem gleichen Problem – Differenz im Körpergewicht von 20 Kilo oder gar mehr – stehe.
Im Netz gibt es zwar schon eine Reihe von Testberichten, aber irgendwie fast alle nur vom Halleneinsatz.
Dabei ist der Einsatz des Ohm gerade am Fels prädestiniert, da man wohl kaum einen Sandsack zum Wandfuss schleppen mag und nicht immer hat man eine solide Baumwurzel in brauchbarer Nähe.

Zum Funktionsprinzip und was es mit dem Gewichtsunterschied mit und ohne Widerstand auf sich hat, schaut am besten mal das offizielle Video von Edelrid an:

Okay, also gekauft (und zwar, wie immer, selber – nicht gesponsert bekommen) uuund… der erste Eindruck: Das Ding ist schwer!
Gewicht des Ohm: Fast 500 Gramm!
Fast ein Pfund bringt das tolle Teil auf die Waage, was zum einen an der soliden (weitgehend kunststoff-ummantelten) Metallkonstruktion liegt, zum anderen kommt auch als Verbindungsmittel ein Schraubglied aus Stahl – übrigens ein original französisches Maillon Rapide – zum Einsatz. Zudem gehört das Gewicht gleichzeitig zum Funktionsprinzip.

Das Anbringen am Seil ist… naja, fast hätte ich “idiotensicher” geschrieben, aber es gibt ja bekanntlich nichts, was es nicht gibt.
Jedenfalls hat der Hersteller mitgedacht und gleich dreimal ein Piktogramm für das korrekte Seileinlegen angebracht – zweimal auf der Aussenseite und noch einmal innen neben dem Seilkanal:

Die Bedienungsanleitung (unbedingt vor Gebrauch lesen!) lügt nicht, wenn da steht, man soll das Ohm am Seil anbringen, während man noch sicher auf dem Boden steht.

Seil ins Ohm eingelegt
In der Tat, man könnte das Ohm zwar durchaus mit einer Hand bedienen – aber weshalb sollte man sich diesen Stress erst in mehreren Metern Höhe am ersten Haken geben, womöglich noch mit “Nähmaschine” in den Beinen?!

Okay, man bereitet also alles vor und hängt das ganze dann erstmal an den Klettergurt zu den anderen Exen – und klettert den ersten Haken an und hängt das ganze dann eben anstatt einer Express ein:
Ohm am ersten Bohrhaken plaziert

Apropos erster Haken: Wenn dieser so hoch angebracht ist, dass vorher eine mobile Zwischensicherung erforderlich ist, wird’s etwas umständlich.
Das Ohm darf nämlich nur am ersten Bohrhaken, Klebehaken oder Muniring eingehängt werden – nicht an geschlagenen Normalhaken, Klemmkeilen oder Klemmgeräten (Friends)! Gleiches gilt dann wohl, obschon nicht explizit erwähnt, für Köpfelschlingen.
Grund ist der, dass bei einem Sturz das Ohm eine Zugkraft nach oben auf die Sicherung aufbringt, die bspw. einen Klemmkeil heraushebeln würde.

In so einem Fall müsste man also den ersten Haken anklettern, das Ohm einhängen, zur 1. Sicherung wieder abklettern bzw. abgelassen werden und diese wieder entfernen.
Denn hängt man das Ohm erst an den zweiten oder dritten Haken, gibt es keine Bremswirkung!

Gleiches tritt ein, wenn der Sicherer in Falllinie direkt unterhalb des Geräts steht; ein seitlicher Abstand, wie er auch in Kletterkursen gelehrt wird, ist also unabdingbar.

Gut, dann heisst es weiterklettern…
Vorstieg mit dem Ohm Entgegen meiner ursprünglichen Befürchtung “spürt” man das Ohm im Vorstieg nicht – weder in der Kletterbewegung, noch beim Clippen der Exe (natürlich vorausgesetzt, dass man das Seil nicht ruckartig-panisch hochreisst).
Wie auf dem Bild zu erkennen, bleibt das Gerät immer noch mehr oder weniger in Ruheposition.

Ganz im Gegensatz dazu, wenn das Seil oberhalb des Geräts richtig belastet wird, also eben durch einen Sturz. Dann wandert das Ohm nach oben, während sich das Seil in die Bremsrillen schiebt:
Das Ohm bei einem SturzDas Ohm “vernichtet” also quasi die Sturzenergie bzw. wandelt sie durch die Reibung im Gerät in Wärme um und es kommt weniger Zug beim/am Sicherer an.

Was im Sturzfall erwünscht, weil’s eben das Funktionsprinzip ist, kann allerdings beim Ablassen recht nervig sein.
Sinnvollerweise stellt sich der Sicherer während des Ablassens (und auch erst dann!) mehr oder weniger direkt unter das Ohm, und gleichzeitig kann der Kletterer mit Ruckeln am Seil den Widerstand in seine Ruheposition zurückbefördern. Etwas umständlich, nach meinem Geschmack, vielleicht aber auch nur Gewohnheitssache.
Man kann dem aber aus dem Weg gehen, indem man einfach abseilt und die Route so abbaut – hat zudem den Vorteil, dass man den Umlenker  schont…

Übrigens ist das Ohm zugelassen für Einfachseile mit einem Durchmesser von 8,9 bis 11 Millimeter – damit ist das Spektrum des Seilmarkts nahezu komplett abgedeckt, wenn man einmal von den Extremen wie z.B. dem Beal Opera (8,5mm) oder Mammut Serenity (8,7mm) absieht.
Getestet habe ich das Ohm mit einem älteren Edelrid Boa (9,8mm) und einem Mammut Vertex (10mm), beide schon relativ aufgepelzt und daher etwas dicker als im Neuzustand.

Und noch ein kleiner Wermutstropfen – der Preis…
Mit fast 120 ΕΥΡΩ ist das Gerät nicht gerade ein Schnäppchen; vor allem, wenn man bedenkt, dass die meisten Sicherungsgeräte weniger als die Hälfte kosten.
Aber auch das sollte einem der Sicherheitsgewinn und der Spass, endlich ohne Bedenken wegen Gewichtsunterschieden klettern gehen zu können, durchaus wert sein, oder?

 

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