Deine Erwartung – Du bekommst was Du erwartest!

Es gibt etwas, das mir schon öfter passiert ist, dem ich aber nie grosse Bedeutung beigemessen habe. Vielleicht kennst Du das:

  • Du kommst aus einer Route und fluchst: «Für eine 7 war das aber verdammt schwer», nur um festzustellen, dass es doch eine 8 war.
  • Du siehst eine Route und weisst sofort: nicht meine! Zu überhängend/kleingriffig/lang/plattig/… – also machst Du sie nicht. Viel später machst Du sie und bemerkst, dass Du Dich getäuscht hast. Super Tour!
  • Du beobachtest jemanden in Deiner Route, er macht den Schlüsselzug (den Du nicht hinbekommst) auf eine Weise, die Dir bei dem Gedanken ans Nachmachen die Fussnägel hochrollen lässt. Du schaffst den Zug so auch nicht und gibst auf.
  • Du quälst Dich mit einem Boulder, krampfst total rum, probierst (scheinbar) alles, fällst raus, fluchst, probierst nochmal… erfolglos. Enttäuscht strafst Du diesen Boulder jetzt ab mit Missachtung. Irgendwann machst Du ihn zufällig – problemlos!

Ich erwische mich oft dabei, dass meine Erwartung an eine Route bzw. ein Boulderproblem das Erleben der Tour vorwegnimmt. Ich erwarte einen bestimmten Schwierigkeitsgrad, eine bestimmte Machbarkeit respektive Unmöglichkeit, meine Chance, die Bewegung erfolgreich zu machen. Und dabei habe ich meistens Recht! Ob das allerdings ein Pluspunkt für mich ist, möchte ich einmal auf den Prüfstand stellen: Was, wenn mein Körper mir fast automatisch Recht gibt? Was, wenn ich ohne Erwartung ganz anders klettern würde? Die oben genannten Beispiele zeigen mir immer wieder, dass meine Erwartungen vielleicht oft erfüllt werden, jedoch nicht immer richtig sein müssen.

Achte einmal bewusst darauf, wie Deine Erwartungen an eine Route sind. Du wirst überrascht sein, wie viel Du schon vor dem ersten Griff erwartest und irgendwie schon entschieden hast!
Was also ist zu tun? Versuche einmal, Deine Erwartungen nur wahrzunehmen. Denn dann kannst Du sie auch verändern, und zwar in die Richtung, die Du möchtest. Statt zu «erwarten» könntest Du ja auch «wünschen», also ein wenig positiver erwarten, als Du es gewohnt bist!