Burgberger Hörnle

Sicher werden jetzt einige waschechte Alpinisten mit den Augen rollen, wenn ich den Südgrat des Burgberger Hörnle in die Rubrik “Alpinklettern” einsortiere – ich konnte mich selber nicht entscheiden und habe die Tour daher gleichzeitig als “Bergtour” kategorisiert.

Was ist das nun hier? Klettern? Hartes Wandern?

Da sind sich die Gelehrten selber nicht so ganz einig; bleibt einem also nichts anderes übrig, als sich das einfach mal vor Ort anzuschauen:

Burgberger Hörnle

Manu und ich hatten uns für diese Tour entschieden, nachdem das Wetter in den letzten Tagen die ersten Winterkapriolen schlug – Neuschnee deutlich unterhalb der 2000m-Marke liess uns unsere bisherigen Pläne über den Haufen werfen.
Eine Tour, deren beste Begehungszeit in der Literatur mit “Anfang März bis November, bei guten Bedingungen ganzjährig” beschrieben ist, war also das Mittel der Wahl.

Das Burgberger Hörnle (in manchen Karten auch als “Kreuzelspitz” kotiert) stand auf der Agenda, oder man könnte auch sagen “Grünten light”, denn das Hörnle liegt quasi direkt neben dem – zeitweise völlig überlaufenen – Grüntengipfel.

Wenn man sich abseits der touristisch erschlossenen Gegenden bewegt, muss man natürlich auch damit rechnen, nicht immer mit der Nase auf einen ausgewiesenen Weg gestossen zu werden. So auch hier – die Wegfindung zum Einstieg ist etwas verzwickt und bisher nur durch mehr oder weniger vage Beschreibungen konkretisiert.
Vor ein paar Jahren hat ulligunde mal den Zustieg durch Stoamandln markiert; diese wurden aber wieder mutwillig entfernt – vermutlich von Jägern, die sich mit dem freien Betretungsrecht der Natur nicht anfreunden können und allgemein immer wieder um den Grünten ihre Interesse mit der Brechstange durchsetzen wollen und  für Konflikte sorgen.

Trotzdem war de facto die Orientierung leichter als erwartet:
Zum Einstieg wandert man zunächst den “Funkenweg” (Hörnle-Normalweg) bis auf ziemlich genau 1200 m ü.M.  hinauf, bis man rechts vom Weg einen alten, markant spitz abgebrochenen Baum neben einem Trampelpfad entdeckt. Hier biegt man rechts ab und folgt den Trittspuren rechts haltend weiter bergauf. Irgendwann gelangt man zu einer Abzweigung, über die man links den sog. “Aurikelgrat” erreicht. Rechts herum geht es weiter, und wenn man genau hinschaut, führen einen die Schuhsohlenabdrücke der Vorbegeher direkt zum Einstieg auf 1330 m ü.M. samt dem ersten Bohrhaken.

Der schaut dann so aus:

Einstieg Südgrat

Hier stellt sich nun die Frage: Anseilen oder nicht?
Wir hatten uns für die sicherere Variante – mit Seil – entschieden:

Route Südgrat
Schwierigkeit UIAA IV oder III/A0
Seillängen 6 II / II / III / III / II / IV
Material 50m Einfachseil, 4 Exen, Schlingen
Einstieg 1330m ü.M. N 47.54556 E 10.30210 Details
Gipfel 1496m ü.M. N 47.54694 E 10.30181 Burgb. Hörnle

Topo erübrigt sich eigentlich. Der Routenverlauf ist klar und logisch.

Die ersten beiden Seillängen führen im II. Grad gemütlich über die abgebildeten Platten, Zwischensicherungen kann man sich mit Köpfelschlingen selber legen, der erste Standplatz ist eingebohrt und den zweiten Stand baut man sich an einem Baum.
Welcher Baum? Gibt ja hier viele davon…
Einfach den obersten, noch gesund aussehenden nehmen. Beim Näherkommen stellt man fest, dass dieser auch mal irgendwie markiert war; es finden sich am Stamm noch Reste eines mit Reissnägeln befestigten Zettels.

Die folgenden drei Seillängen – wieder mit gebohrten Standplätzen und sogar 1-2 Klebehaken für Zwischensicherungen zur Nervenberuhigung – repräsentieren dann allerfeinste Kletterei entlang des, na eben, Südgrates:

SüdgratSüdgrat

Danach erreicht man den Standplatz (mit Muniring) inklusive Wandbuch unmittelbar vor der Schlüsselstelle der Tour.

Apropos Wandbuch:
Ein Blick in selbiges bestätigte unseren Plan, die Tour an einem Donnerstagvormittag zu machen. Die Einträge im Wandbuch füllen nämlich an schönen Frühjahrs- oder Sommertagen schnell mal eine ganze Seite pro Tag – sprich: Die Tour kann man durchaus als “berannt” bezeichnen.

Das zeigte sich dann auch in der Schlüsselstelle.  Selbige, ein ca. vier Meter hoher abdrängender “Bauch”, ist mit UIAA IV, alternativ III/A0, bewertet und vor allem eines: Mächtig abgespeckt!
Vierer-Klettereien stellen für mich normalerweise kein Problem dar, auch nicht in Bergschuhen (meine Kletterschuhe – die Bequemtreter Red Chili Spirit – hatte ich völlig umsonst mit hoch geschleppt), aber das hier war mir dann trotz Seilsicherung doch etwas zu nervig. Also kurzerhand eine Bandschlinge als “Strickleiter” in eine der beiden Gerüstösen gefädelt und die alten Knochen eben so hochgezerrt.

Der Rest bis zum Ausstieg bzw. Gipfel ist mehr oder weniger Gehgelände; man kann aber noch wiederum das eine oder andere Bäumchen als Standplatz missbrauchen.

Wandbuch
Blick zum Grünten

Auf dem letzten Bild sieht man, rechts vom antennenbestückten Grüntengipfel, auch gleich eine Abstiegsvariante – den sog. Stuhlwandgrat, eine exponierte Kletterei im II. Grad. Aufgrund des Schnees haben wir allerdings verzichtet, vom Hörnle in Richtung Grünten zu wandern und sind über den Normalweg abgestiegen. Inzwischen tobt ein erbitterter Kampf um den Stuhlwandgrat und man schikaniert mit Verbotsschildern die Bergsteiger – siehe auch den Blogbeitrag “Stuhlwand – Der kastrierte Grat“.

Eine weitere Möglichkeit wäre, vom Hörnle über einen drahtseilversicherten Steig nach Nordosten in Richtung Grüntenhaus zu gehen und von dort aus über den Grünten-Normalweg abzusteigen.

Fazit:
Eine wunderschöne Genusskletterei, vor allem bei Zeitmangel, instabilem Wetter, als Jahresauftakt- oder Jahresendtour oder auch für Anfänger als erste alpine Mehrseillängentour.

Und was ist jetzt von wegen “seilfrei”?
Ja, ich denke, man kann die Tour durchaus auch seilfrei begehen, wenn man sich sicher im dritten Schwierigkeitsgrad in plattigem Gelände bewegen kann und vor allem, wenn man die Tour schon einmal gemacht hat und ihre Eigenarten kennt. Nur eben die Schlüsselstelle erfordert beherztes Zugreifen…

Und wem diese Tour zu kurz war, seien die Klettergärten am Fusse der Grünten-Südseite, z.B. die “Nasse Wand”, empfohlen – Topos hierfür gibt es im einschlägigen Sportkletterführer “Allgäu-Rock“.

Literatur:

Download

 

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