Brione (Verzasca)

Das «Jahresendbouldern» hat ja bekanntlich Tradition bei mir
Das miese Wetter nördlich des Alpenhauptkamms liess dann die Liste der brauchbaren Ziele in der näheren Umgebung schnell zusammenschrumpfen: Tessin – wo sonst?!

Auf die Idee, diesmal Brione im Valle Verzasca anzusteuern, bin aber nicht nur ich gekommen…

Aber der Reihe nach:
Hat man erstmal das Tal des Ticino an der richtigen Abzweigung verlassen, gelangt man sanft ansteigend auf gut ausgebauter Strasse ins Verzascatal, und schon auf den sich scheinbar ewig hinziehenden paar Kilometern wird deutlich: Hier gibt es Granitblöcke ohne Ende!

Kurz nach dem letzten Tunnel vor der kleinen Ortschaft Brione wird man dann auch schon förmlich begrüsst mit einem markanten Block inklusive Wegmarkierungen:
Brione - Eingang zum Sektor «Ganne»
Dies ist auch gleichzeitig der Eingang zum Sektor «Ganne», benannt nach der gleichnamigen Postauto-Haltestelle mit Parkplatz – der allerdings in der Regel schnell gefüllt sein dürfte, braucht man doch in den Bouldersektor nur wenige Meter laufen.

Koordinaten 704’825 / 127’005 – Sektor «Ganne», 630 m ü.M.
704’285 / 127’020 – Block «Black Mirror», 815 m ü.M.
Parkplatz 704’875 / 126’890 – Parkplatz «Ganne»
704’345 / 127’895 – Camperstop Brione (WoMo-Stellplatz)
Camping Camping Isola in 6515 Gudo – ganzjährig geöffnet
Zugang Immer die hellgrünen Wegweiser und Wegmarkierungen (grüne Punkte) beachten; ist im Prinzip selbsterklärend:
Brione Wegweiser
Geocaches Geocaches als Liste | auf der Karte

Der Parkplatz «Ganne» war bei meiner Ankunft übrigens komplett voll und bis auf den letzten Platz von Deutschen belegt…
Keine Sorge, es geht noch weiter (bergauf)!
In der Ortschaft Brione finden sich natürlich eine ganze Reihe weiterer Parkplätze inklusive einem Wohnmobil-Stellplatz.
Sämtliche Parkplätze im Gemeindegebiet sind übrigens gebührenpflichtig, allerdings nur im Sommerhalbjahr – da kostet dann die Stunde 2,00 Franken, das Tagesticket (8-19 Uhr) «Parkingcard» 10 CHF und die Tagesticket mit Übernachtung («Campercard») dann 20 CHF.
Ich erwähne das deswegen so ausführlich, weil die Parkplätze im Ort gleichzeitig der Ausgangspunkt für die übrigen Blöcke und Sektoren ist, also z.B. zum «Frogger» oder «Dave’s Dyno» auf der anderen Seite des Bachs, zu der cleveren Lösung des Boulderblocks als Brückenpfeiler, oder natürlich zu den Sektoren wie «Pianesc» oberhalb des Dorfs.

Boulder unter der Strasse

Brione Frogger mit Karo Sinnhuber
Karo Sinnhuber & Co. am Frogger-Block

Vom Ort aus führt ein markierter Weg – wir erinnern uns, grüne Markierungen – bergauf durch den Wald.
Warnung vorab für die Lauffaulen: Es geht rund 200 Höhenmeter bergauf! 😉

Übrigens, zwei Zahlen zwischendurch: Insgesamt warten über 140 Boulderprobleme hier auf Betätigung; der Schwerpunkt liegt im 7ten und 8ten Fb-Grad…

Oben angekommen, die schönen Steinhäuser der Alp «Pianesc» hinter sich gelassen, offenbart sich ein Panorama über förmlich ein Meer aus Steinblöcken:
Panorama Pianesc
An dieser Stelle gleich mal der «erhobene Zeigefinger» №1.
Der Sektor 3 «Pianesc / Black Mirror» (das Bild zeigt’s) befindet sich auf einer Weide für den Futterbau und um die Ernte nicht zu gefährden gilt vom 31. März bis 15. Oktober ein absolutes Kletterverbot. Die Durchquerung des Grundstücks auf dem Weg ist jedoch erlaubt.
Sperrungen Brione
Nehmt das bitte ernst! Bouldern ist kein Grundrecht, sondern ist ein Entgegenkommen der Eigentümer dieser Privatgrundstücke hier (die meisten Boulder liegen auf privatem Grund). Ebenso gibt es einige nicht erschlossene Blöcke, die aber eingezäunt und daher absolut tabu für Boulderer sind!

Sollte aber eigentlich kein grosses Problem sein; die Blöcke/Sektoren dahinter, wie z.B. den «Molonk», lassen sich problemlos durch den Wald erreichen. Beachtet einfach die grünen Wegmarkierungen und Schilder, da steht’s ja drauf.
Ebenso gelten die üblichen Verhaltensregeln: Ruhig verhalten und Abfälle wieder mitnehmen. Feuer machen ist übrigens streng verboten.

Brione «Molonk»
Wartenummer ziehen am Trendboulder «Molonk»

Brione «Black Mirror»
Der «Black Mirror» ist anscheinend nicht mehr trendy genug…

Apropos «Molonk»: Ein echter «Trendboulder» anscheinend – ich hatte keine Lust, mich hinter einem starken Dutzend Wartender anzustellen…
Interessant dabei: Der nur wenige Meter entfernte Klassiker «Black Mirror» hat schon wieder leicht Moos angesetzt und trägt keine Chalkspuren mehr. Offensichtlich ist der inzwischen halt «out». Kann ich zwar nicht nachvollziehen, aber ist offensichtlich Realität.

Was ich noch weniger nachvollziehen kann: Unmögliches Verhalten unter Boulderern! Kleine Anekdote dazu:
Ich hantiere an einem Block und es kommt ein Boulderpärchen aus der Westschweiz hinzu. Begrüssung per Handschlag, und die beiden fragten mich höflich, ob sie an dem Block mitbouldern und mein Crashpad benutzen dürften. Klar, kein Thema, wenn man schon so nett fragt!
(Ich bin übrigens sicher der letzte, der bei sowas Nein sagen würde – vielleicht bin ich auch zu gutmütig für diese Welt…)

Einige Minuten später: Es gesellten sich ein paar deutsche Boulderer hinzu, die hielten es nicht einmal für nötig zu grüssen und als i-Tüpfelchen benutzten sie dann noch ungefragt mein Crashpad. Geht’s eigentlich noch?!
Als ich mein Crashpad zusammenpackte, erntete ich noch verwunderte Blicke, als hätte ich ihr Eimerchen und Schäufelchen aus dem Sandkasten geklaut…
(Lustigerweise gibt’s von der «Aktion» sogar Fotos, weil meine Selbstauslöser-Kamera nebenher noch lief. Aus Gründen des Datenschutzes verzichte ich auf die Veröffentlichung – aber: Ich hab euch im Visier!)

Erhobener Zeigefinger №2 – auch hier sieht’s, wie heutzutage in allen namhaften Kletter-/Bouldergebieten, teilweise schon echt schlimm aus, was die übermässige Nutzung von Chalk betrifft (wir sprechen hier übrigens von griffigstem Granitgestein, da braucht man das weisse Zeugs allenfalls sehr spärlich:

Brione Dave's Dyno

So wie am «Dave’s Dyno» sehen auch hier leider die meisten anderen «Trendboulder» aus.
Leute, bitte entfernt doch Chalk und Dreck – bevor ihr weglauft wie die Sau vom Trog!
Kann ich auch nicht nachvollziehen sowas, aber mich wundert nix mehr…

Boulderführer

Mir ist derzeit kein gedruckter Boulderführer für Brione bekannt. Das hat u.a. «historische» Gründe, da das Gebiet schon vor einigen Jahren wegen der Problematik mit den Privatgrundstücken kurz vor einer Sperrung stand.
Nichtdestotrotz findet man Topos zuhauf, zum Beispiel

Zu voll?

Ja, es ist voll dort. Man könnte es auch als «überlaufen» bezeichnen.
Okay, es kamen jetzt Wochenende und Ferien zwischen Weihnachten und Jahreswechsel dazu, aber grundsätzlich kann man Brione zu den eher belebten Gebieten zählen.
Dafür spricht auch, dass sich hier – deswegen hat’s mich auch hierher verschlagen – in den Wintermonaten oftmals ein sehr mildes Klima anzutreffen ist: Während nördlich der Alpen die Temperaturen um den Gefrierpunkt lagen, konnte ich mich hier im T-Shirt bei rund +13°C austoben!
Austoben konnte ich mich tatsächlich, denn ich bin weder auf Trendboulder noch auf definierte Probleme, geschweige denn Betas, fixiert und habe noch etliche nette Linien abseits der Menschenmassen entdeckt.

Und sonst so?

Wer nicht aufs Leistungsbouldern versteift ist, kann sich z.B. auch an den unglaublich schönen Granitformationen im Bachbett erfreuen und den einen oder anderen Block erkunden…

 

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… und/oder eine der zahlreichen Wanderrouten im Verzascatal beschreiten und einfach so die Natur geniessen, bei weitaus weniger Trubel!

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