Black Diamond Momentum Kletterschuhe

Black Diamond? Momentum? Moment mal – gibt’s doch schon lang, das ist doch ein Klettergurt!

Nein, ich habe mich nicht vertippt und nicht vertan: Unter dem gleichen Namen wie das Gstältli gibt es nämlich neuerdings auch Kletterfinken!

Black Diamond Momentum climbing shoes

Auf der OutDoor Show 2017 in Friedrichshafen vorgestellt, machen sich die Kletterschuhe nun allmählich auf den Weg nach Europa – ich habe die Gelegenheit, einmal ein Paar an die Füsse zu packen und zu testen*.

Nach dem Unboxing aus dem – wie könnt’s auch anders sein – schwarzen Karton erstmal eine Überraschung: Der Schuh ist schlicht (aber keineswegs hässlich) und vor allem ganz anders als seine Kollegen, wirkt er doch schon allein durch sein Material leicht und luftig.

Black Diamond Momentum Herrenmodell Black Diamond Momentum Herrenmodell

Black Diamond nennt das Obermaterial aus einem gestrickten Gewebe “Engineered Knit Technology”, was nicht nur Elastizität, sondern vor allem auch noch Atmungsaktivität verspricht.
Ein echter Barfuss-Schuh also – zumal die Machart ganz stark zum Beispiel an den Laufschuh Nike Free Flyknit erinnert:
Nike Flyknit versus Black Diamond Momentum
Im Gegensatz zu diesem findet man im Ballen- und Zehenbereich noch ein Innenfutter aus Mikrofaser, das zusätzlich noch für Stabilität der Konstruktion in den am meisten beanspruchten Bereichen sorgen soll. Ob’s gegen Schweissfüsse hilft, kann ich nicht beurteilen, da ich dieses Problem nicht habe.
Das Innenleben des Black Diamond Momentum

Der Momentum ist als Einsteigerschuh konzipiert. Dafür sprechen der komplett fehlende Downturn und die mit 4,3 Millimetern recht dicke NeoFriction-Sohle – damit spielt der Schuh in der gleichen Liga wie beispielsweise der La Sportiva Oxygym:

La Sportiva Oxygym vs. Black Diamond Momentum La Sportiva Oxygym vs. Black Diamond Momentum

Beiden ist gemein, dass die Sohle im Mittelfussbereich etwas flexibler gestaltet ist, wohingegen der Sohlengummi an sich beim Oxygym etwas dünner (4 mm), aber minimal härter zu sein scheint.
Interessanterweise ist der Momentum nur gefühlt filigraner und leichter – der Oxygym bringt bei gleicher Grösse und ähnlicher Konstruktion satte 40 Gramm pro Schuh weniger auf die Waage.

Von der Passform her unterscheiden sich die beiden Schuhe allerdings – die Spitze ist beim Momentum etwas deutlicher ausgeprägt und erinnert, auch vom Feeling her, eher an den La Sportiva Katana:

La Sportiva Katana vs. Black Diamond Momentum La Sportiva Katana vs. Black Diamond Momentum

… wobei der Katana wiederum schon merklichen Downturn hat und nicht mehr wirklich zur Kategorie der Anfängerschuhe zu zählen ist. Somit scheint der Momentum eine Art “Mittelweg” zu sein, der den Klettereinsteiger längers in seiner “Karriere” begleiten dürfte. Eventuell kann man die Schuhe auch ganz gut in Mehrseillängentouren verwenden; der Test hierfür scheidet jahreszeitbedingt aber derzeit aus…

Dafür der Praxistest: Im “Altweibersommer” geht man ja nicht in die Halle, auf Kalk-Schlonz habe ich ungefähr genauso wenig Lust, also werden die Schuhe im Urner Granit – dem meines Erachtens besten Gestein, das der liebe Herrgott für die Kletterer erschaffen hat – mal so richtig hergenommen:
DS Momentum mit zweiteiliger ZungeMoment(um) an der WandBlack Diamond Momentum am Tüüfelstei Göschenen
Wenn man sich die zweigeteilte Zunge mal richtig hingezupft hat, steht dem Vergnügen nichts mehr im Weg.
Der NeoFriction-Gummi schmiegt sich für seine Steifigkeit erstaunlich gut an die kleinen Dellen, Leistchen und Käntchen des Granits; nach meinem Eindruck sogar noch einen Tick besser als der FriXion von Oxygym und Konsorten – wobei ich dazu sagen muss, dass ich die Schuhe vor dem Klettern ein paar Minuten an der Spätsommersonne vorgewärmt und damit weicher gemacht hatte, denn derartige Boulderprobleme mit einem harten, kaum pointierten Anfängerschuh ohne Downturn zu meistern ist fast so mühsam wie das Ausheben eines Schützengrabens mit einem Klappspaten; ich verwende logischerweise für so etwas auch andere Schuhe (aber wenn man die Finken schon gratis* bekommt, macht man’s halt mal ausnahmsweise…).
Jedenfalls: Der Grip ist erstaunlicherweise doch recht gut für einen derartigen Schuh.

Apropos Passform – Die Wahl der richtigen Grösse stellt sich, entgegen aller meiner Zweifel (bezüglich eines komplett neuen Modells), als recht einfach heraus:
Nimm’ den Schuh in Strassenschuhgrösse oder eine halbe Nummer kleiner. Ich trage in Strassenschuhen die Grösse UK 7 (= 40/41), habe diese Schuhe in UK 6½ (= 40) genommen und hätte es nicht anders haben wollen.

Ein kleines Manko:
Leider verfehlt der Momentum den Einzug in die Liste der veganen Kletterschuhe ganz knapp.
Zwar besteht der Schuh wie gesagt überwiegend aus Textil und Mikrofaser-Material, aber das kleine Etikett weist auf Leder im Obermaterial hin. Nur wo? Offensichtlich ist es in den beiden Klettverschlüssen eingearbeitet.
Schade, das wurde von den Entwicklern wohl verpennt – mit einem Aufwand von nur wenigen Cent (!) hätte man einen veganen Kletterschuh draus machen können…

Noch was zu Modellen und Farben:
Anfangs gibt es die Kletterfinken in zwei Farben, nämlich das graue “ash” für das Herrenmodell und das weinrote “merlot” für das schmäler geschnittene Damenmodell, allerdings sind fürs Jahr 2018 weitere Farben geplant. Überraschungspaket!

Momentum Damen
Momentum Herren
Damenmodell
Farbe “merlot”
Herrenmodell
Farbe “ash”
(Für weitere Details aufs Bild klicken)

Das war’s aber noch lange nicht von Black Diamond:
Gleichzeitig wird noch der “Aspect” auf den Markt kommen, ein Spezialist für die Fans von Riss- und Tradklettereien. Mitte/Ende Februar 2018 folgen dann noch der “Focus” als Allrounder in direkter Konkurrenz beispielsweise zum Scarpa Vapor und der “Shadow” als aggressive Boulderwaffe mit starkem Downturn.

* Transparenzhinweis: Die Schuhe wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt.
 

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