Bandschiibevorfall und chrumme Rugge

Nun hat es mich auch “erwischt” – kürzlich ist bei mir ein Bandscheibenvorfall (L5/S1) diagnostiziert worden.


Stellt sich also bei mir sofort die Frage, ob und wie es mit dem Klettern bei mir weitergeht.
Die Antwort fällt recht kurz aus: So wie bisher! 😀

Mal von meinem persönlichen Eindruck, dass sich meine Schmerzen beim Klettern (und anderen bewegungsintensiven Aktivitäten, z.B. Bergtouren) deutlich bessern, wenn nicht gar sogar zeitweise ganz verlieren, ist das Thema Klettern in Medizin und Rehabilitation glücklicherweise inzwischen auch angekommen:

Klettern stärkt die Muskulatur und verbessert die Rumpfstabilität und ist damit die ideale Sportart, um Rückenproblemen vorzubeugen. Aber auch bei bestehenden Schmerzen kann Klettern Linderung verschaffen. […] Leider bewegen sich heute immer weniger Menschen, weil sie eine sitzende Tätigkeit haben. […] Eine ideale Sportart zur Linderung bestehender Rückenschmerzen, aber auch zur Prävention, ist Klettern.

Quelle: Rückensportart Klettern

Aber selbst nach einer Bandscheiben-OP dürfen Patienten nach sechs Wochen “stabilisierend” klettern. Das heißt, sie können unterschiedliche Ausgangsstellungen im Stehen und in einfachen Routen ausprobieren. […] Beim Bouldern geht es um ganzheitliche Bewegungen: Sie trainieren nicht nur einzelne Muskelgruppen isoliert wie an Kraftmaschinen. An der Kletterwand sind immer sämtliche Muskeln in Aktion. […] Nachhaltig wirken Therapien bei chronischen Erkrankungen nur, wenn die Patienten sie nach Klinik-Aufenthalt weiterführen. Aber das setzt voraus, dass sie Spaß machen.

Quelle: Wenn Patienten die Wand hochgehen

Dies ist prinzipiell der Sport schlechthin für jede Form von Wirbelsäulenleiden. Es besteht die Möglichkeit des Trainings ganzer Funktionsketten. Ein positiver Effekt konnte in etlichen Studien gezeigt werden. Das sogenannte therapeutische Klettern wird bereits europaweit praktiziert und stellt eine zwischenzeitlich etablierte Therapiealternative dar.

Quelle: Return to sports – Sport nach Wirbelsäulenoperation (PDF)

Sportliches Klettern bietet eine optimale Möglichkeit die Rumpfmuskulatur zu kräftigen, ohne dabei Druck auf die Wirbelsäule auszuüben. Vor allem die Be­ckenhebefunktion der Bauchmuskulatur wird funktionell trainiert, was den unte­ren Rücken stabilisiert und entlastet. Klettern ist eine natürliche  Bewegung, wie Gehen, Laufen und Springen. Das be­sondere am Klettern jedoch ist: Die Wirbelsäule, Bandscheiben und tragenden Strukturen unseres Bewegungsapparates werden entlastet. Durch die Wirkung der Gravitation auf unsere Körpermasse, entsteht Druck. Es kommt im Laufe der Jahre oft zu degenerativen Abnutzungserscheinungen der Gelenke, Knochen, Wirbelkörper und Bandscheiben. Beim Sportklettern entsteht eine Zugwirkung anstelle des Drucks. Der Körper wird meistens nur mit den Fin­gerspitzen und den Vorfüßen gehalten. Die Fersen sind entlastet. So wird ein na­türlicher Aufrichte-Impuls aktiviert.

Quelle: Sportklettern für Ausdauer, Kraft & Beweglichkeit

Gerade im aktiven Bereich ist das Therapeutische Klettern heute nicht mehr aus der ergänzenden Krankengymnastik wegzudenken. […] Wirbelsäulendefekte, Bandscheibenschäden und Haltungsschwächen sind prädestinierte Einsatzbereiche der Klettertherapie.

Quelle: Klettern in der Physiotherapie

Daher ist Klettern sowohl zur Vorbeugung wie auch als Therapie bei Rückenschmerzen sehr gut geeignet. […] Vor allem die Rückenmuskeln müssen permanent arbeiten, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und dem Körper einen sicheren Halt zu gewährleisten. Ein Problem bei vielen Menschen sind die Verspannungen in der Rückenmuskulatur, die durch das dauernde Sitzen am Schreibtisch, möglicherweise sogar verbunden mit hochgezogenen Schultern und nach vorne geschobenem Kopf entstehen. Da der Körper sich beim Klettern immer wieder strecken muss, werden diese berufsbedingten Verspannungen gelockert. Klettern kräftigt also nicht nur die Rückenmuskeln, sondern entspannt gleichzeitig. Daher ist Klettern nicht nur Prävention, sondern gleichzeitig auch noch Therapie.

Quelle: Klettern – exotische Sportart für den Rücken

Wie man sieht spricht also nichts gegen Klettern/Bouldern bei Rückenbeschwerden oder gar Bandscheibenvorfall – ganz im Gegenteil, es ist Therapie!

Schön wäre es dann noch, wenn das auch bei Arbeitgebern ankäme, dass man auf dem Vertikalwege einen gesunden Ausgleich zum völlig unphysiologischen Dauersitzen hat. Und von genesungswidrigem Verhalten kann ja wohl erst recht keine Rede sein 😉
Seltsamerweise kommt aber niemand auf die Idee, jemandem wegen Muskelfaserrissen das Fussballspielen oder wegen Knochenbrüchen das Skifahren zu verbieten…

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