Allrounder vs. Spezialist

Was bist Du? Ein Allrounder, der alles klettern kann (Platten, Leisten, Sloper, Überhänge, Sandstein, Halle, Kamin, …), oder eher der Spezialist (z.B. Dach 9+, Platte 6-)?

Natürlich ist das echte Leben nicht so schwarz/weiss wie diese Frage es andeutet. Doch denk mal darüber nach: Was möchtest Du erreichen? Ein guter Kletterer in allen Situationen sein, oder der perfekte Plattenschleicher (nicht abwertend!)? Es gibt hierzu unterschiedliche Meinungen.

Die einen sagen, dass man an seinen Schwächen arbeiten sollte. Sie plädieren für den Allrounder. Die Idee dahinter ist, dass Du auch für Deine Platte etwas lernst, wenn Du im Dach besser wirst. Macht ja auch Sinn, ich werde bei neuen Dingen schnell besser, um Perfektion zu erreichen (die eh nicht erreichbar ist), muss ich viel mehr investieren.
Das ist das berühmte Pareto-Prinzip (80:20 Prinzip): Es besagt, dass Du schon 80% des möglichen Ergebnisses (z.B. Kletterkönnen) mit den ersten 20% Deines Aufwandes erreichst. Dieses Prinzip wirkt bei allen Tätigkeiten. Wer das perfekte Ergebnis möchte, muss 100% Aufwand investieren. Das bedeutet, dass Du für die letzten 20% noch 80% Aufwand benötigst. Wenn Du auf der anderen Seite 100% Aufwand möglichst effektiv einsetzen möchtest, dann könnte man ja jeweils 20% in 5 Bereiche investieren (5*20%=100%), um im Ergebnis 400% zu bekommen (5*80%=400%)! Konkret bedeutet das, jeweils z.B. 20% in Dächer, Platten, senkrechte Wände, Leisten und Sloper zu stecken, um insgesamt viel mehr Verbesserung zu erreichen.

Die andere Sichtweise ist wie folgt: Wenn mein Ziel ist, so gut wie möglich zu werden, dann muss ich mich auf eine Sache konzentrieren. Zum Beispiel Dachklettern. Ich würde dann nur Zeit verschwenden, wenn ich lernen würde, auf Reibung auf einer Platte zu stehen. Dann lieber noch ein paar Klimmzüge machen und Toehooks üben. Diese Einstellung bzw. Denkweise macht Sinn, wenn ich als Leistungssportler unterwegs bin oder persönliche Ziele in Form von möglichst harten Projekten im Dach habe.

Je nachdem, wo Du Dich einordnest, hat das Einfluss auf Deine Herangehensweise. Entscheiden musst Du selber, die Empfehlung hieraus ist, diese Entscheidung bewusst zu treffen. Die Auswirkung für Dein Training ergeben sich dann ganz automatisch!

Das 80:20 Prinzip benutze ich auch in anderen Teilen meines Lebens. So findest Du bestimmt manchmal einen Tippfehler in meinen Beiträgen. Klar könnte ich noch 80% Aufwand in die Tippfehlerbeseitigung stecken. In dieser Zeit habe ich aber schon etwas Neues geschrieben.
In diesem Sinne: bewusste Entscheidungen treffen!